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Die Autonomie des Menschen
(17. September 2008/es.) – Selbsterniedrigung und Selbsterhöhung des Menschen. Überlegungen aufgrund eines Textes aus dem Buch Jesaja.
«Denn die Ägypter sind Menschen und nicht Gott, und ihre Rosse sind Fleisch und nicht Geist.» Jesaja 31,3 a
Jesaja warnt das israelitische Volk eindringlich, sich nicht auf die militärische Kraft der Ägypter zu verlassen.
«Wehe
denen, die nach Ägypten hinabziehen, um Hilfe [zu holen], die sich auf
Rosse verlassen und auf die Streitwagen vertrauen, weil ihrer viele
sind, und auf die Reiter, weil sie sehr zahlreich sind, aber auf den
Heiligen Israels nicht schauen und den Herrn nicht befragen.» Jesaja 31,1
Wenn
wir in Not und Bedrängnis sind, woher holen wir uns Hilfe? Heute gibt
es eine breite Palette an Büchern zur Lebensberatung über Regeln zum
Lebensglück bis zur kosmisch-spirituellen Verwirklichung des Lebens.
Die Psychologie bietet dazu die unterschiedlichsten Methoden und
therapeutischen Massnahmen an. Aber gerade über die spirituelle Hilfe
wird in der Esoterik ein breit gefächertes Angebot unterbreitet. Durch
spirituelle Energien, Meditationstechniken und die Verbindung mit
kosmischen Kräften in der Natur wird angeblich ein Sinn im Leben
garantiert. Mittels Horoskopen schauen Millionen von Menschen lieber in
die Sterne und machen sich von den Stellungen der Gestirne abhängig,
anstatt ihrem liebenden Gott ihre Sünden einzugestehen, zu bereuen und
somit dem Bösen offensiv die Stirne zu bieten durch die Kraft Jesu
Christi.
Nicht eine abstrakte und anonyme Christuskraft kann uns
helfen, sondern Jesus Christus, der Messias, der Menschen- und
Gottessohn. Ärzte aufzusuchen ist in Ordnung, aber wer nimmt eine
Heilung durch den Schöpfer des Himmels und der Erde in Anspruch?
In
einer Zeit, in der Gott abgesetzt wurde, sucht sich der Mensch
Ersatzgötter und Götzen. Die Erde, Pflanzen und Tiere, bis zu den
Naturgewalten, treten an die Stelle Gottes. Sogar der Mensch selbst
setzt sich an die Stelle Gottes. C. G. Jung (1875–1961) verortet das
Göttliche im Inneren des Menschen, in seinem Selbst. Grundsätzlich geht
man in der neuen Religiosität davon aus, dass das Verhältnis von
Materie und Geist nicht mehr dualistisch gedacht werden kann, sondern
in der Einheit oder Ganzheit gedeutet werden soll. Insofern kann alles
auf der Erde die Stellung Gottes einnehmen oder als göttlich verehrt
werden. Und genau dieser Sachverhalt wird in Jesaja 31,3 a genannt:
«Denn die Ägypter sind Menschen und nicht Gott, und ihre Rosse sind
Fleisch und nicht Geist.»
In diesem Bibelzitat wird die neue
Religiosität dargestellt, indem der Mensch vergöttlicht wird und dem
Tier geistige Qualitäten oder eine spirituelle Dimension zuerkannt
wird. Auch in der Philosophie bekommt der Mensch eine erhöhte Stellung.
Martin Heidegger (1889–1976) bezeichnet den Menschen als Da-Sein. Das
Sein umfasst das Ganze, die Materie, den Menschen und das Göttliche.
Der Mensch ist nur dann seinem Wesen entsprechend, wenn er die
Ganzheit, und damit auch das Göttliche, in seinem Leben repräsentiert.
Der katholische Theologe Karl Rahner (1904–1984) spricht dann von der
«transzendentalen Christologie». Damit ist gemeint, dass Christus in
jedem Menschen potentiell schon da ist und nur noch entfaltet werden
muss. Mit Christus ist eine spirituelle Dimension gemeint. mehr...
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