Mobile Identitäts-Kontrollen
(26. September 2008/rh.) – Die dem US-Innenministerium unterstellte Forschungseinrichtung „Homeland Security“ arbeitet mit Hochdruck an neuen Kontroll- und Überwachungssystemen. Dazu gehören auch mobile Durchleuchtungswagen.
Zur Früherkennung von Lungenkrankheiten wurden bis vor einigen Jahren in der Schweiz die Oberkörper sämtlicher Schülerinnen und Schüler mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Dieses Massenscreening möglich machten zu Röntgenlabors umgebaute LKWs.
Die US-Forschungseinrichtung für die Sicherheit des Landes, die „Homeland Security“, arbeitet mit derselben Idee der mobilen Einsatzwagen. Allerdings mit dem Zweck, Menschen zu kontrollieren und zu identifizieren. Im Rahmen des Forschungsprogramms Future Attribute Screening Technologies (FAST) wird eine Sicherheitsschleuse entwickelt, die nervöse Terroristen automatisch erkennen soll.
Sattelschlepper-Aufleger werden zu Schleusen umfunktioniert, ähnlich wie man sie von Flughäfen her kennt. Diese sind für den Einsatz bei Grossanlässen, für die Terrorabwehr und Grenzkontrollen gedacht. Damit sollen ganze Gebiete „sicher“ gemacht werden. Ein 6-Minuten-Video auf YouTube zeigt einen Testwagen im Einsatz.
Dazu werden die Identifikationssysteme perfektioniert. Im „Multi-Model-Biometrics-Project“ geht es zum Beispiel darum, Fingerabdruck, Gesichts- und Iriserkennung gleichzeitig in einer Zeit von weniger als zehn Sekunden zu scannen und zu bewerten. Geforscht wird auch an Geräten, die Gedanken lesen können und wie Lügendetektoren eingesetzt werden. Zudem werden Sensoren entwickelt, die Angstzustände automatisch erkennen und melden. Personen werden von Videokameras und Sensoren überprüft.
Gemessen werden Hauttemperatur, Herzschlagfrequenz und Atemzüge. In der nächsten Stufe sollen Scanner Bewegungen von Pupille und Iris aufzeichnen. Bis 2010 soll es möglich sein, Geruchsmerkmale zu analysieren. Ein als verdächtig Eingestufter wird sofort verhört.
Bei einem Probelauf mit 144 Teilnehmern sollten diese einen Gegenstand schmuggeln und dies bei der Kontrolle abstreiten. «Das System erreichte 78 Prozent Genauigkeit bei der Erkennung böswilliger Absicht und 80 Prozent bei Täuschungsversuchen», sagt Ministeriumssprecher John Verrico.
Das System sei in der Lage, Faktoren wie Termin-Stress oder eine von Natur aus verstärkte Schweissproduktion zu erkennen und als harmlos einzustufen und damit von tatsächlicher Angst zu unterscheiden.
Nach weiteren Tests soll eine Datenbank mit Verhaltensmustern von Verdächtigen aufgebaut werden. Ziel ist es mobile Systeme zu entwickeln, die zum Beispiel an Flughäfen oder Bahnhöfen aufgebaut werden können.
Den Datenschützern wird schon jetzt gesagt, dass alle Messergebnisse nach dem Passieren der Schleuse gelöscht werden.
Die technische Perfektionierung der Identitätskontrolle gilt als nötig, um die Bevölkerung zu schützen. Die Kehrseite der Medaille ist die Möglichkeit der totalen Überwachung und Kontrolle. Diktatorische Regimes werden es dank solcher neuen technischen Überwachungssysteme in Zukunft einfacher haben, sich an der Macht zu halten.
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