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Mehreren tausend Kirchen droht Abriss und Verfall

(29. September 2008/fa.) – Die Zahl ist alarmierend: Mehrere tausend Kirchen müssen, so schätzen Experten, in den nächsten Jahren in Deutschland aufgegeben werden. Die Ergebnisse einer Tagung in Weimar zu diesem Thema liegt jetzt in Buchform vor.

Vor allem in Ostdeutschland stehen viele Kirchen leer, sie verwahrlosen, es gibt jahrhundertealte Dorfkirchen, die so stark vom Verfall bedroht sind, dass ihr Betreten verboten ist.

An der Tagung "Erweiterte Nutzung von Kirchen - Modell mit Zukunft" an der Bauhaus-Universität Weimar sprachen 250 Fachleute verschiedener Professionen über das Thema. In den Blickpunkt rücken dabei nicht nur theologische und historische Aspekte, sondern auch architektonische und städtebauliche sowie soziologische und gesamtgesellschaftliche Gesichtspunkte.

Beim "Evangelischen Hochschuldialog" Ende Februar in Weimar zeigte sich, dass der Verlust ihrer Kirche für viele Menschen - ob Kirchgänger oder nicht - ein emotional besetztes Thema ist. Die Ergebnisse der bisher bundesweit größten Tagung zu diesem Thema hat die Evangelische Akademikerschaft jetzt in einer Dokumentation veröffentlicht.

Es drohen Umwidmung, Verfall oder sogar Abriss von zum Teil historischen Gebäuden. Noch fehlt es in den Kirchen an schlüssigen Konzepten zur Rettung bedrohter Gotteshäuser. Es gibt lokale und auch überregionale Initiativen zum Erhalt der Kirchengebäude.

Die Experten aus Kirche und Gesellschaft diskutierten über mögliche Wege zur Rettung der Kirchen und damit eines kulturellen Erbes. "Es gilt, unseren Kirchengebäuden eine Zukunft zu sichern. Dazu bedarf es gedanklich wie praktisch ungewöhnlicher Initiativen", fordern die Verfasser des Weimarer Votums: "Ein grundlegender Wandel des öffentlichen Bewusstsein ist unerlässlich.“

Beispiele zeigen, dass die Interessen von Kirchengemeinden, Kommunen und anderen Gruppierungen nicht immer deckungsgleich sind. Aber erste Erfahrungen verdeutlichen auch: Durch offen geführte Entscheidungsprozesse können kreative Lösungen gefunden werden.

Die zahlreichen Aspekte und Impulse wurden in einem "Weimarer Votum" gebündelt. Darin plädieren die Experten für einen Erhalt der Kirchen und deren erweiterte Nutzung. Gegenüber diesem "Modell mit Zukunft" könne die Umnutzung und der Abriss von Gotteshäusern nur das allerletzte Mittel im Sinne einer "ultima ratio" sein, heißt es in der Erklärung.

KELLER, Manfred/VOGEL, Kerstin (Hg.)(2008): Erweiterte Nutzung von Kirchen - Modell mit Zukunft. Bd. 3 der Reihe Evangelische Hochschuldialoge. Schriftenreihe der Ev. Akademikerschaft in Deutschland und der Ev. StudentInnengemeinde. Münster u.a.: Lit Verlag, ISBN 3825813894, 272 S., 24,90 Euro.
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