Saatgut: Desinfektion durch Elektronenbeschuss
(07. Oktober 2008/tl.) – Forscher des Fraunhofer Instituts für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) in Dresden beschiessen Saatgut mit Elektronen, um Pilze und Viren unschädlich zu machen. Diese High-Tech-Methode zur Desinfizierung von Samen soll den Einsatz von chemischen Beizmitteln überflüssig machen.
Beim herkömmlichen Landbau wird das Saatgut meist in mehreren chemischen Substanzen gebadet. Fungizide sollen die Pflanzen vor Mikropilzen schützen, Insektizide vor Drahtwürmern, Blattläusen und Fritfliegen.
„Wenn Getreidepflanzen erkranken, dann liegt das meist an Mikropilzen und Sporen, die sich aussen am Saatgut und in der Schale befinden. Statt diese Sporen durch Chemikalien unschädlich zu machen, nutzen wir beschleunigte Elektronen“, sagt Dr. Olaf Röder, Gruppenleiter am FEP. Durch die Elektronen werden die chemischen Bindungen der Moleküle von Keimen und Pilzsporen zerstört.
Zu diesem Zweck lassen die Forscher die Samen durch eine Wirkzone beschleunigter Elektronen fallen: 30 Tonnen Saatgut rauschen pro Stunde hindurch – das sind etwa 200 000 Körner pro Sekunde, die auf der gesamten Oberfläche desinfiziert werden müssen.
Die Herausforderung für die Wissenschaftler ist es, eine Methode zu finden, bei der der Pflanzen-Embryo nicht beschädigt wird, da sonst die Saat nicht keimen würde. „Wir müssen die Energie der Elektronen sehr genau dosieren, so dass diese nur in die Randschichten der Samen eindringen“, so Röder.
Die Methode ist anwendungsreif, so die Presseabteilung des Fraunhofer-Instituts. Sie sei für den konventionellen Anbau geprüft und sogar für den Bio-Anbau empfohlen.
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