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Indien: Mehr als 60 000 Christen auf der Flucht

(16. Oktober 2008/fa.) – 50 Christen wurden in den vergangenen Wochen im ostindischen Bundesstaat Orissa von nationalistischen Hindus ermordet, Zehntausende sind auf der Flucht. Mehr als 4000 Häuser wurden niedergebrannt und 130 Kirchen geschändet und zerstört.

Im hügeligen Bezirk Kandhamal herrscht Pogromstimmung gegen die christliche Minderheit. Auf manchen der Ruinen wehen Fahnen in dunklem Safrangelb, der Farbe des Hinduismus. 12000 Baptisten und Katholiken warten in Angst in einem Flüchtlingslager, berichtet der Zürcher „Tagesanzeiger“.

Korrespondenten berichten, dass 60 000 Christen auf der Flucht sind. Für den Fall, dass sie in ihre Dörfer zurückkehren, droht man ihnen mit dem Tod. Man sagt den Christen, sie seien nur sicher, wenn sie sich zum Hinduismus bekehrten.

Nach Korrespondentenberichten und Informationen der christlichen Hilfsorganisation Open Doors gehen die Pogrome von hindunationalistischen Aktivisten der Organisation Bajrang Dal aus.

Open Doors bezeichnet die Vertreibungen und Ermordungen als eine „religiöse Säuberung“. Der hinduistische Mob griff auch ein katholisches Waisenhaus an und brannte es nieder. Eine Schwester starb in den Flammen. Mehrere Kinder und ein Priester erlitten schwere Verletzungen.

Open Doors berichtet auch von Fällen, in denen Hindus in ihren Dörfern Christen beschützten und sie vor den Angreifern versteckten.

Inzwischen hat die indische Regierung eine Ausgangssperre in der Region verhängt und Truppen nach Kandhamal entsandt. Die Hindus legitimieren die Angriffe mit der Ermordung des Hindupredigers Swami Laxmananda. Dessen Tötung werfen sie den Christen vor, obwohl sich bereits drei Mal maoistische Rebellen zu der Tat bekannten.

In Kandhamal leben zwei Millionen Christen, sie zählen zu den Panas. Die Panas gehörten im indischen Kastensystem zu den „Kastenlosen“, mittlerweise aber zu einer „gelisteten Kaste“. Die 3,5 Millionen Hindus in Kandhamal zählen zu einem „gelisteten Stamm“, einer niedrigeren sozialen hierarchischen Stufe. Das traditionelle System sozialer Hierarchien heizt den Konflikt zusätzlich an.



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