Syrien anerkennt Libanon
(17. Oktober 2008/inn.) - Am Mittwochabend hat Syriens Präsident Baschar al-Assad per Dekret die offizielle Korrektur einer historischen Absurdität verkündet: Damaskus werde in Beirut eine Botschaft einrichten.
Der Libanon wurde bisher von den Syrern nicht als selbständiges Land anerkannt. Damaskus betrachtete das Nachbarland als Teil der syrischen Nation. Die offizielle diplomatische Anerkennung des Libanon muss als ein tiefgreifender Wandel des syrischen Selbstverständnisses gesehen und entsprechend gewertet werden.
Bekanntlich sind alle Staatsgrenzen zwischen Marokko und Irak künstliche Konstrukte der französischen und britischen Kolonialmächte aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Am "grünen Tisch" in Kairo malte der britische Kolonel Winston Churchill mit einem Lineal gerade Linien auf die Landkarten der arabischen Welt. Ohne Rücksicht auf Flüsse, Berge oder gar Völker und Städte wurde da die Welt gemäss den Interessen der damaligen Grossmächte aufgeteilt.
So ist es kein Zufall, dass die ölreichen kurdischen Provinzen dem britisch beherrschten Irak zugeschlagen wurden, während das zu Frankreich gehörige Syrien leer ausging. So wurden im Irak drei Volksgruppen in ein Staatsgebilde gezwängt, deren gegenseitige Feindseligkeit seit Auflösung der Diktatur unter Saddam Hussein zu einem blutigen Bürgerkrieg geführt hat - mit fast täglichen Selbstmordattentaten: Kurden, Sunniten und Schiiten.
Doch die Interessen der Kolonialmächte von damals, auf den Landkarten verewigt, entsprechen weder den historischen Entwicklungen noch dem Selbstverständnis der in dieser Region lebenden Völker. Dennoch würde niemand wagen, diese Linealgrenzen in Frage zu stellen. Denn wenn auch nur an einer Stelle dieses künstliche Prinzip durchbrochen würde, gäbe es kein Halten mehr - man müsste die Territorien von Saudi-Arabien, dem einst vereinten Maghreb (Marokko, Algerien und Libyen), die Existenz Jordaniens oder den Grenzverlauf etwa zwischen Sudan und Ägypten neu definieren.
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