Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Irak: Hoffnung für vertriebene Christen?

(20. Oktober 2008/fa.) - Ein schwacher Hoffnungsschimmer für verfolgte Christen aus dem Irak: Es gibt einen neuen deutschen Vorstoss bei der EU 10 000 von ihnen aufzunehmen. Vor November wird es aber zu keinem Beschluss kommen.

Zunächst sollen erneut Experten nach Syrien und Jordanien gesendet werden, um „die Lage der dorthin geflüchteten Iraker zu untersuchen“. Damit ist eine Entscheidung über die Aufnahme verfolgter Christen frühestens im November zu erwarten. Der Vorsitzende des „Arbeitskreis für Religionsfreiheit der deutschen und österreichischen Evangelischen Allianz (AKREF), Pfarrer Dr. Paul C. Murdoch, kritisierte den Beschluss, erneut die Situation vor Ort untersuchen zu lassen, als „unverständlich“, weil Zeit verloren wird und dringend Hilfe geboten ist.

Was der High Comissioner offensichtlich nicht wisse sei „hinlänglich bekannt und auch dokumentiert“: Drei Viertel der irakischen Christen sind auf der Flucht. Sie hätten, so Dr. Murdoch, „keine reelle Chance auf Rückkehr in ihre seit 2000 Jahren angestammte Heimat, schon gar nicht in ihr Eigentum, das längst an Muslime verteilt sei.

Der Grundsatzbeschluss, 5 000 Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen und weitere 5000 in anderen europäischen Ländern, geht auf eine Initiative von Bundesinnenminister Schäuble zurück. Nach einem Besuch mehrerer Mitglieder des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Deutschen und der Österreichischen Evangelischen Allianz (AKREF) im Auswärtigen Amt und bei Vertretern der CDU/CSU-Fraktion des Bundestages begrüsste der Vorsitzendes des AKREF, Pfr. Dr. Paul C. Murdoch, diese Initiative – auch wenn ein endgültiger Beschluss erst im November zu erwarten sei.

Der Arbeitskreis für Religionsfreiheit forderte eine schnelle Umsetzung des Beschlusses, „damit diese Familien, die teilweise seit 2003 im Exil leben, vielfach aus Angst vor den Konsequenzen völlig undokumentiert, nicht verelenden“. Viele der Flüchtlinge hätten ihr ganzes Vermögen aufgebraucht, um nur zu überleben und räuberischen und erpresserischen Umständen in den Nachbarländern Syrien, Jordanien, im Libanon und in der Türkei zu widerstehen.

Pfarrer Dr. Paul C. Murdoch erklärte: „Es ist völlig unverständlich, dass der Genozid, der de facto an den ethnischen und religiösen Minderheiten des Irak an der Basis praktiziert wird - die Christen und Mandäer des Landes sind ethnisch die Urbewohner dieses von Arabern überrannten und besetzten Gebiets Zweistromland - von der Weltöffentlichkeit ignoriert wird.“ Es fehle weithin der politische Wille, diesen Missstand öffentlich zu benennen und zu beseitigen.

Umso dankbarer ist man im „Arbeitskreis Religionsfreiheit“ für den Vorstoß Deutschlands auf europäischer Ebene.

Die USA, Kanada und Australien sind weniger zögerlich, wenn es um die Aufnahme von Christen aus dem Irak geht. 50 000 von ihnen finden Aufnahme in diesen Ländern.



zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben