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Kirche an letzter Stelle
(20. Oktober 2008/idea.) - Was den Deutschen heilig ist: Familie an erster, Kirche an letzter Stelle - Statt Wiederkehr der Religion heisst es eher Renaissance der Familie.
Nur für knapp ein Viertel der Bundesbürger (24 Prozent) ist Religion ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität. Deutschland liegt damit im Vergleich von neun europäischen Ländern an letzter Stelle. Das geht aus repräsentativen Befragungen der BAT Stiftung für Zukunftsfragen (Hamburg) unter jeweils 1.000 Personen hervor.
Die Aussage „Religion ist wichtig im Leben, um glücklich und zufrieden zu sein“ bejaht fast jeder zweite Italiener (48 Prozent). Dahinter folgen Finnen (32 Prozent), Briten und Russen (jeweils 31 Prozent), Ungarn (28 Prozent), Belgier (27 Prozent), Franzosen (26 Prozent) und Schweizer (25 Prozent). Auch bei der Frage, was den Deutschen heilig ist, rangieren Glaube an Gott (18 Prozent), Religion (14 Prozent) sowie Gebete und Kirche (jeweils 10 Prozent) auf den letzten Plätzen. Das Heiligste ist den Deutschen der Umfrage zufolge die Familie (71 Prozent).
Dahinter folgen Gesundheit (60 Prozent), Kinder (55 Prozent), Partner (52 Prozent), Freunde (49 Prozent) und Eltern (44 Prozent). Im Bereich „Werte und Moral“ ist den Deutschen vor allem die Achtung der Menschenwürde wichtig.
Der wissenschaftliche Leiter der BAT Stiftung, Prof. Horst W. Opaschowski, kommentiert die Ergebnisse so: „Die ‚heilige Familie’ überlebt offensichtlich alle Krisen und Zeitgeistströmungen.“ Statt Wiederkehr der Religion heisst es eher Renaissance der Familie: „Die Familie ist die neue Glaubensgemeinschaft der Deutschen.“ Aus den Gottsuchern seien Sinnsucher geworden.
Unterschieden nach Bundesländern ist der Glaube besonders wichtig für Bürger in Baden-Württemberg (29 Prozent), Rheinland-Pfalz (27 Prozent), dem Saarland (26,3 Prozent), Hessen (25,5 Prozent) und Bayern (23,5 Prozent). Die geringste Bedeutung hat der Glauben dagegen für die Menschen in Schleswig-Holstein (4,3 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (4 Prozent) und Sachsen-Anhalt (1,6 Prozent) – die Region, von der einst die Reformation ausging.
Nach Opaschowskis Angaben weist die Befragung nach, dass hochreligiöse Menschen besonders geprägt sind von Ehrfurcht vor dem Leben und der Natur sowie der Achtung vor der Menschenwürde. „Hochreligiös“ seien Menschen, die an Gott glauben, regelmäßig beten, einer Kirche angehören und sich selbst als religiös bezeichnen. Wer hingegen gott- und religionslos lebe, lege deutlich weniger Wert auf Natur und Menschenwürde, Verlässlichkeit und Toleranz. Diese Werte seien aber der soziale Kitt, der die Gesellschaft in Zukunft zusammenhalte.
Opaschowski: „Es muss daher ein fundamentales Interesse von Gesellschaft und Politik sein, dass Religion auch im traditionellen Sinne weiter gepflegt und im Alltag gelebt wird, damit die Humanität nicht verkümmert oder stirbt.“ Ohne Religion seien Kultur und sozialer Zusammenhalt einer Gesellschaft auf Dauer gefährdet. Religion stärke das Gemeinschaftsgefühl.
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