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Assyrischen Statthalterpalast ausgegraben

(21. Oktober 2008/rh.) - Archäologen der Universität Mainz legen in der Türkei einen assyrischen Statthalterpalast frei.
Im Rahmen eines internationalen Rettungsgrabungsprojekts konnte ein vierköpfiges Team vorderasiatischer Archäologen unter Leitung von Dirk Wicke vom Institut für Ägyptologie und Altorientalistik (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) Teile eines neuassyrischen Statthalterpalastes des 9.-6. Jahrhunderts v. Chr. in dem Ruinenhügel Ziyaret Tepe mit aussergewöhnlichen Funden freilegen.

Der Fundort im Südosten der Türkei in der Provinz Diyarbakir ist durch den Bau des Ilisu-Staudamms gefährdet. Die Region des Oberen Tigris geriet in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. in den Herrschaftsbereich der Assyrer, die in dem Ort Tuschan ihre Provinzhauptstadt anlegten, das heutige Ziyaret Tepe.

Nach historischen Inschriften des assyrischen Herrschers Assurnasirpal II. ist die Errichtung eines Verwaltungspalastes in Tuschan für das Jahr 882 v. Chr. gesichert. Der Grabungsbereich des Mainzer Teams umfasst den Bereich der Akropolis, der einst von diesem Statthalterpalast eingenommen worden sein muss. Teile des privaten Wohnbereichs und eines Hofes konnten bereits freigelegt und erforscht werden. Zur reichen Ausstattung der Haupträume gehören dabei nicht nur farbige Wandmalereien, sondern beispielsweise auch eine Einrichtung für einen Herdwagen. Geflieste Räume beweisen den hohen Wohnkomfort am Beginn des ersten vorchristlichen Jahrtausends.

Zu den ungewöhnlichsten Entdeckungen zählen aber insgesamt nunmehr fünf Feuerbestattungen im Bereich eines grossen Hofareals, von denen zwei sehr reiche Beigaben enthielten. In den rund 1,50 m x 2,00 m grossen rechteckigen Gruben kamen in einer beträchtlichen Schicht aus Asche verbrannte Knochen sowie zahlreiche Bronzegefässe, reiche Stein- und Elfenbeingefäße, gravierte Elfenbeineinlagen, Siegel und Perlen zutage. Diese Dinge zeigen den hohen Status der hier bestatteten Personen an, bei denen es sich um Palastbewohner gehandelt haben muss. Nächste Parallelen zu diesen Objekten finden sich in den assyrischen Hauptstädten Assur und Nimrud im heutigen Irak.

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