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Islamist: Die Triebe kann niemand kontrollieren

(11. November 2008/fa.) – In der Türkei ist ein 76-jähriger Islamist auf freien Fuss gesetzt worden, der eine 14-jährige missbraucht hat. Er gibt die Tat zu, fühlt sich dennoch nicht schuldig, weil „niemand die Triebe kontrollieren“ könne. Im Fall des 14-jährigen deutschen Realschülers Marco W., der mit einer gleichaltrigen Sex gehabt haben soll, war die türkische Justiz weniger nachsichtig.

Marco W. aus Niedersachsen war acht Monate in türkischer Haft, bevor er nach Deutschland abgeschoben wurde. Der 76-jährige Hüseyin Üzmez schreibt für „Vakit“, die Zeitung der türkischen Islamisten, die in Deutschland verboten ist. Das Gericht befand, Hüseyin Üzmaz habe zwar mit dem Mädchen geschlafen, dieses sei aber „weder körperlich noch seelisch geschädigt“ worden. Das Mädchen hatte Hüseyin Üzmez bei der Polizei angezeigt.

Über den Fall des 76-jährigen berichtet der Korrespondent der deutschen Tageszeitung „Die Welt“. Hüseyin Üzmez gibt die Tat zu, kann darin aber kein Unrecht erkennen. Solcherlei passiere ihm immer wieder. „Die Triebe“ seien schuld, „niemand kann sie kontrollieren“.

Ein Mann wie er würde „permanent von Mädchen und Frauen bedrängt“, sagte Hüseyin  Üzmaz. Es sei besser für diese Mädchen mit ihm zu schlafen, sonst würden sie nur zu Prostituierten. So aber setzten sie das Kopftuch auf und würden nach vollbrachter Befriedigung ihres Erretters zu keuschen Jungfrauen.

Nach türkischem Gesetz ist der Beischlaf mit einer 14-jährigen ein Verbrechen. In der Entscheidung des Gerichts sehen Kritiker der AFP-Regierung von Ministerpräsident Erdogan ein Zeichen für den zunehmenden Personalwechsel im türkischen Justizwesen zugunsten von islamistisch orientierten Richtern.

Hüseyin Üzmas war aus der Haft entlassen worden, nachdem ein Gutachten dem Mädchen seelische und körperliche Unversehrtheit bescheinigt hatte. Das Urteil wurde jedoch an nur einem Tag erstellt – und das ohne Mitwirkung eines Kinderpsychologen.

Das Gericht lehnte den Widerspruch gegen die Freilassung von Üzmez ab. Er bleibt bis zum Prozess im Dezember ein freier Mann.

Die Ereignisse führen in der Türkei zu einer gesellschaftlichen Debatte über die Frage, was islamische Moral ist und worauf sich Hüseyin Üzmez beziehen darf. Es sei eine Schande, dass sich Hüssein Üzmez auf den Koran beziehe, sagt der Direktor des türkischen Religionsamtes, Ali Bardakoglu.

Die Frau des islamischen Propheten Mohammed war zur Zeit der Eheschliessung sechs Jahre alt. Die Ehe sei aber „erst“ mit neun Jahren vollzogen worden. Im Iran erlaubt das Gesetz die Heirat von neunjährigen Kindern und nimmt mit dieser Rechtssprechung den Koran zum Vorbild.



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