Entdeckt: Schnecke betreibt Fotosynthese
(2. Dezember 2008/fa) – Sie frisst Algen bis sie grün wird: Die Rede ist von einer bislang unbekannten Meeresschnecke, die in der Lage ist Fotosynthese zu betreiben.
Das Wissenschaftsmagazin PNAS berichtet von diesem Aufsehen erregenden Fund, den US-Forscher gemacht haben. Die Schnecke baut die grünen Farbkörperchen der Algen in ihre Zellen ein. Das Tier ist dadurch im grünen Umfeld der Algen nicht nur sehr gut getarnt. Sie ist auch in der Lage wie eine Pflanze Fotosynthese zu betreiben.
Dass die Schnecke dadurch vom aktiven Dasein in ein mehr oder weniger vegetatives Stadium übergeht, überraschte die Forscher: Denn offenbar kann die Schnecke, wenn sie sich erst einmal grün gefressen hat, monatelang ohne Nahrung auskommen. Sie lebt einfach von Wasser und der Energie, die das Grün in ihrem Inneren durch die Umwandlung von Licht liefern.
Die Farbe bleibt im Schneckenkörper erhalten, weil Elysia chlorotica die grünen Farbkörperchen nicht vollständig verdaut, sondern rund um ihren Verdauungstrakt einbaut. Je mehr Algen sie frisst, desto grüner wird die Schnecke.
Dass die Nacktschnecken der Weltmeere andere Lebewesen nicht nur fressen, sondern ihnen auch wichtige Bestandteile stehlen, ist bekannt: So gibt es Arten, die mit Vorliebe winzige Nesseltiere oder Korallen fressen. Sie recyceln deren mit Gift gefüllten Nesselzellen aus ihrer Nahrung und bauen sie in ihre eigene weiche Haut ein.
Mit dem Erfolg, dass sie den giftigen Rohstoff wirkungsvoll zu eigenen Verteidigungszwecken nutzen. Die Forscher um James Manhart schreiben im Wissenschaftsmagazin „PNAS“: „Die Schnecke ritzt ein kleines Loch in die Alge und saugt ihre Zellen aus. Die meisten Zellbestandteile verdaut sie, aber offenbar nicht die grünen Farbkörperchen.“
Diese ermöglichen es ihr, selbstständig Fotosynthese zu betreiben. Die Schnecke hat offensichtlich einige Algengene in ihr eigenes Erbgut eingebaut. Diese Gene ermöglichen es ihr, die gestohlenen Farbkörperchen zur Fotosynthese anzutreiben. Die Forscher bezeichnen das als „horizontalen Gentransfer von Pflanze zu Tier“. So etwas war bisher nicht bekannt.
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