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Brasilien - der Aufbruch

Brasilien erlebte in den letzten Jahrzehnten ein ausserordentliches Wachstum
unter evangelischen Christen. In einer dreiteiligen Serie versucht der Autor und Brasilienkenner Theo Schüepp, das Phänomen einzuordnen. Teil 1: 1950 bis 1979

Theodor Schüepp

Die brasilianische evangelische Kirche hat in den vergangenen Jahrzehnten ein ausserordentliches Wachstum erlebt. Während im Jahr 1950 gerade mal 1,7 Millionen crentes (evangelisch Gläubige) gezählt wurden, sprechen die Statistiken heute von 35 Millionen Evangelischen. Dies lässt verschiedene Verantwortliche in der Kirche darauf schliessen, dass Brasilien gegenwärtig eine Erweckung erlebt. Dennoch ist es nicht einfach, die geistliche Situation des Landes zu beurteilen. Das Spektrum reicht sehr weit und ist breit gefächert. Die vielen Hinwendungen zum evangelischen Glauben, die Begeisterung für Gott und das ausserordentliche numerische Wachstum zeigen gleichzeitig eine fehlende Sicht für die ganzheitliche Mission und eine Sucht nach mystischer Erfahrung, anstatt der Anerkennung biblischer Prinzipien.

Zudem fehlen bei dem als Erweckung gehandelten Phänomen die ethischen Auswirkungen in der Gesellschaft. Diese widersprüchlichen Signale haben inzwischen zu einer grossen Verunsicherung in der Bewertung geführt. Je nach Art der angewandten Kriterien kommt der Beobachter zu unterschiedlichen Schlüssen.

Drei Meinungen dominieren heute die Bewertung der Situation des Christentums in Brasilien:

• Die Bewegung ist vom Heiligen Geist gewirkt
• Die Bewegung ist nicht vom Heiligen Geist gewirkt
• weiss nicht

Was ist es jetzt – erlebt Brasilien eine echte Erweckung oder doch nicht? Welches sind die Kriterien bei der Beurteilung des Phänomens? Das Ergebnis dieser Untersuchung gibt wichtige Anstösse auch für Christen im nach-christlichen Europa. Voraussetzung ist die Bereitschaft zum Nach- und Umdenken.

Um die brasilianische Aufbruchsbewegung besser einschätzen zu können, werfen wir einen Blick zurück auf die Jahre zwischen 1950 bis 1980. Diejenigen, die in Brasilien von einer Erweckungssituation sprechen, sehen ihren Beginn in einzelnen Ereignissen anfangs der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Erwartung einer Erweckungsbewegung lebte schon damals. Die Literatur dieser Jahre, in denen die evangelischen Christen noch eine statistisch unbedeutende Minderheit darstellten, betonte als Voraussetzung für die Ausgiessung des Heiligen Geistes folgende Punkte:

• die Notwendigkeit des Gebets
• die persönliche Heiligung
• die Herrschaft Christi
• die biblische Erkenntnis
• das Bekennen der Sünden

Im September 1953 publizierte die Sociedade Missionária Interamericana einen von Autoren wie Andrew Murray, Oswald Smith, Billy Graham u. a. m. verfassten Aufruf an die evangelischen Kirchen Brasiliens zum Thema Erweckung. Darin wurde zum Gebet für die dringend notwendige geistliche Erneuerung aufgerufen. Vom 14. bis zum 20. September jenes Jahres sollten alle Gläubigen, die eine Erweckung erwarteten, im Gebet «vor Gott, dem Vater, einstehen, damit wir mit dem Heiligen Geist gesalbt und in Seiner Kraft erweckt zu Werkzeugen des Segens in der Verbreitung des Evangeliums werden». Dabei war die missionarische Motivation klar vorherrschend.

Lesen Sie den ganzen ersten Teil (sieben Seiten) in FACTUM 6/2007.

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