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Die grosse Versöhnung

Der Kern des Evangeliums ist die Versöhnung zwischen Gott und Mensch. Unser Schöpfer ist auch unser Erlöser. An die Stelle eines ganzen Haufens von Göttern, die allzu offenkundig dem Menschen nachempfunden sind und sich wie Filmstars aufführen, setzt die Bibel den einen allmächtigen Schöpfer und einzig wahren, wirklichen Gott, in welchem alle Güte und Wahrheit ihren Ursprung finden und welchem alles sittlich Verwerfliche ein Gräuel ist.

James I. Packer

Prinz Paris hatte Helena nach Troja entführt. Das griechische Expeditionskorps, das zu Schiff die Verfolgung aufgenommen hatte, wurde auf halbem Wege durch ständigen und starken Gegenwind aufgehalten, worauf Agamemnon, der militärische Oberbefehlshaber der Griechen, von zu Hause seine Tochter kommen liess und sie zeremoniell als Opfer schlachtete, um die offensichtlich missgestimmten Götter zu besänftigen. Scheinbar
zahlte sich die Sache aus: Der Wind drehte auf West, und die Flotte erreichte Troja ohne weiteren Aufschub.

Dieser kleine Ausschnitt aus der Legende der «Ilias» – etwa 1000 v. Chr. – illustriert anschaulich eine Form von Sühne, wie sie allen heidnischen Religionen in aller Welt und zu aller Zeit zugrunde lag. Ihre Auffassung ist folgende: Es gibt mehrere Götter, von denen keiner uneingeschränkte Macht hat, deren jeder jedoch in seinem Machtbereich einem Menschen das Leben erleichtern oder erschweren kann. Ihre Laune ist ständig schwankend, auf den kleinsten Anlass hin werden sie böse, oder sie sind eifersüchtig, weil sie meinen, ihnen selbst werde zu wenig, anderen Göttern oder Menschen dagegen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Das nehmen sie zum Anlass, jemandem durch Eingriffe in seine Umwelt tüchtig zuzusetzen. Diesem bleibt dann nichts übrig, als sie durch ein Opfer versöhnlich zu stimmen und sie so zu besänftigen. In der Regel gilt bei solchen Opfern: je grösser, desto besser –, denn diesen Göttern wird ein Hang zu quantitativem Denken unterstellt. Sie sind in dieser Hinsicht zwar ausgesprochen grausam und herzlos, aber sie sitzen am längeren Hebel, deshalb: Was soll man machen? Der Weise beugt sich dem Unausweichlichen und versichert sich, dass sein Opfer eindrucksvoll genug ausfalle, um das gewünschte Ergebnis sicherzustellen.

Ein Menschenopfer insbesondere ist sehr teuer, dafür aber auch einträglich. So stellt sich das Heidentum als üble Geschäftemacherei dar; man manipuliert und beeinflusst seine Götter durch schlaue Bestechungsversuche und Angebote. Und bei all dem nimmt in heidnischen Versöhnungslehren die Stillung himmlischen Missfallens und schlechter Laune einen festen Platz im Alltagsleben ein, den einer lästigen, aber unbedingt notwendigen Übung, der man sich nicht entziehen kann.

Die Bibel nun entführt uns der Welt heidnischer Religiosität. Sie verurteilt alles Heidentum als ungeheuerliche Verdrehung der Wahrheit. An die Stelle eines ganzen Haufens von Göttern, die doch allesamt nur allzu offenkundig dem Menschen nachempfunden sind und sich wie Filmstars aufführen, setzt die Bibel den einen allmächtigen Schöpfer und einzig wahren, wirklichen Gott, in welchem alle Güte und Wahrheit ihren Ursprung finden und welchem alles sittlich Verwerfliche ein Gräuel ist. Im Zusammenhang mit ihm gibt es nichts Derartiges wie schlechte Laune, keine Allüren, kein eitles Getue und keinen bösen Willen. Von daher könnte man annehmen, es gäbe in der Bibel und ihrem Glauben auch nichts Derartiges wie einen Versöhnungsgedanken. Weit gefehlt: Der Versöhnungsgedanke, d. h. der eines Opfers zur Abwendung von Gottes Zorn, zieht sich durch die ganze Bibel.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 2/2008.

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