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Der Ziegenbock und das Lamm
Alexander der Grosse ist der Ziegenbock, Jesus Christus ist das Lamm. Beide nannten sich Gottes Sohn, beide wurden geliebt und gehasst, beide starben jung. Doch nur einer lebt in den Herzen von Millionen von Menschen weiter.
Rolf Höneisen
Es war im Jahr 330 vor Christus in Jerusalem. Andächtig reicht der Hohepriester Jaddua seinem Gast eine Schrift des Propheten Daniel. Der Gast ist kein Geringerer als der mächtigste Mann der Welt: Alexander der Grosse. Erst 26-jährig, liegt ihm die Welt von Ost bis West zu Füssen. Alexander liest die alten Prophetenworte, die Daniel 200 Jahre zuvor notiert hatte. Dann erkennt sich der makedonische Eroberer und Bezwinger Persiens selbst darin. Alexanders Besuch in Jerusalem wird vom Historiker Flavius Josephus (37 bis ca. 100 n. Chr.) im Werk «Antiquitates Judaicae» beschrieben.
Was hat Alexander der Grosse im Buch Daniel gelesen? Zumindest das 8. Kapitel, berichtet uns Flavius Josephus (Ant. Jud. X, 337): Alexander habe sich als Erfüllung von Daniels Prophetie erkannt, als er darin Vers 21 las: «Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland; und das grosse Horn zwischen seinen beiden Augen, das ist der erste König.»
Alexander III. (persisch: Iksander) wird 356 v. Chr. als Sohn von König Philipp II. von Makedonien und Prinzessin Olympias geboren. Zum Lehrer Alexanders wird der Platon-Schüler Aristoteles (384 v. Chr.–322 v. Chr.) berufen. Der berühmte Philosoph unterrichtet den Prinzen während sechs Jahren. Er lehrt Alexander Rhetorik und Literatur und weckt sein Interesse an Naturwissenschaften, Medizin und Philosophie. Gut möglich, dass Aristoteles im heranwachsenden Kronprinzen auch die Sehnsucht nach den Grenzen der Welt und die Idee von der Verschmelzung der Völker wachsen liess.
Alexanders eigentliche Vorbilder waren aber die mythischen Helden Achilles und Herakles. Unter dem Einfluss dieser Gestalten aus der griechischen Mythologie wuchs er auf, und er glaubte an sie. Er war überzeugt, selbst eine grosse, übergeordnete Aufgabe erfüllen zu müssen. Oliver Stone, Regisseur des neuen Alexander-Films, meint: «Aus diesem Glauben, aus dieser Überzeugung heraus entwickelte sich sein monumentaler Antrieb (...) Unglaublich ist an Alexander, dass er alle griechischen Mythen kannte und sie dann selbst auslebte. Er wurde von vielen Dämonen angetrieben, die man auch aus modernen Gesellschaften kennt.»
In der Schlacht von Charoneia (338 v. Chr.) siegt Philipp II. gegen die Truppen der Stadtstaaten Theben und Athen. Der 18-jährige Alexander hat die berittenen Truppen angeführt. Griechenland wächst zusammen. Im Korinthischen Bund (337 v. Chr.) vereinigen sich alle griechischen Städte, ausser Sparta. Der makedonische König wird zum Hegemon und Heerführer ernannt.
Nun beschliesst Philipp, den Erzfeind Persien anzugreifen, aus Rache für die Verwüstung Athens im Jahre 480 v. Chr. Ein Jahr später, 336 v. Chr., wird Philipp II. ermordet und der erst 20-jährige Alexander besteigt den Thron. Unerwartet schnell und vehement geht Alexander gegen aufständische Volksgruppen und Städte im Innern vor, dann sichert er die Grenzen nach aussen.
Der Vater, König Philipp II, ist ein Trunkenbold und Frauenheld gewesen. Auf dem Schlachtfeld allerdings hat er als genialer Taktiker und überlegener Kämpfer agiert. Eroberte Gebiete band er durch berechnende Eheschliessungen an sich. Im Zuge seiner Bündnispolitik heiratete Philipp mehrere Frauen. Mitunter zog er damit den Hass seiner ersten Frau Olympias auf sich. Viele Wesensmerkmale, Verhaltensweisen und Strategien von Philipp kennzeichnen später auch den Sohn.
Obwohl das Verhältnis zu seinem Vater, der seine Machtpolitik despotisch durchsetzte, nicht konfliktfrei war, soll dieser zu Alexander gesagt haben: «Geh, mein Sohn, such dir ein eigenes Königreich, das deiner würdig ist. Makedonien ist nicht gross genug für dich» (Plutarch, Alexander). Ein prägender Satz für Alexanders Leben.
Machtbewusst Auch Alexander ist willensstark, entscheidungsfreudig und machtbewusst. Dazu gesellt sich bei ihm die gute Bildung und der Wissensdurst. Anderseits ist er aufbrausend, er trinkt viel und schreckt vor nichts zurück. Während eines Saufgelages erschlägt er Kleitos, einen seiner besten Freunde. Alexander ist ein grosser Krieger und Stratege, doch menschlich erscheint er zwiespältig. Zur Erhaltung der Macht ist ihm fast jedes Mittel recht: Intrigen, Zwangsheiraten, Mord. Jede Brutalität und Rücksichtslosigkeit setzt er ein, um den Königsthron zu verteidigen.
In der griechischen Kultur von damals wurde nicht deutlich unterschieden zwischen Mythos und Geschichte. Wahrheit und Erfindung, Göttliches und Menschliches wurden ineinander verwoben. Peter Bamm schreibt, die Grundlage der moralischen Erziehung des Prinzen sei das legendenhafte Heldenlied der Ilias gewesen. Die heutigen Moralbegriffe waren damals noch nicht in der Gesellschaft verankert.
Historiker wie Peter Bamm und viele andere Kenner sind überzeugt, dass Alexander der Grosse homosexuell war. Sie weisen allerdings darauf hin, dass praktizierte Homosexualität in der griechischen Gesellschaft weit verbreitet gewesen sei und von daher nichts Aussergewöhnliches. Alexanders lebenslanger Freund hiess Hephaistion.
Alexanders Charakter und seine Handlungsweise sind väterlicherseits vorgeprägt. Doch emotional verbunden ist er mit seiner ehrgeizigen und stolzen Mutter Olympias. Als Anbeterin und Priesterin des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos ist es die makedonische Königin gewohnt, von Schlangen umgeben zu sein und dionysische Kult- und Opferrituale auszuüben. Olympias ist entschlossen, ihren Sohn mit allen Mitteln auf den Thron zu hieven. Sie ist es, die Alexander von klein auf einflüstert, etwas Besonderes zu sein: «Es wird niemals wieder einen wie dich geben – Alexander der Grosse.» – «Dein Name wird ewig in die Geschichte eingehen.» – «Die Welt gehört dir.»
Im Film «Alexander» findet sich eine Szene, in der die Mutter zum Sohn sagt: «In dir lebt das Licht dieser Welt. Deine Gefährten werden schon lange nur noch Schatten in der Unterwelt sein, wenn du der Einzige sein wirst, der für immer jung und inspirierend bleibt. Niemals wird es einen Alexander wie dich, einen Alexander den Grossen, geben.» Regisseur Stone: «Olympias redete Alexander den Mythos ein, dass er ein Schicksal wie Achilles haben und wie dieser jung sterben werde. Das war das Tauschgeschäft. Grosser Ruhm, aber früher Tod – im Unterschied zu einem langen Leben mit wenig Glanz.»
Der Angriff auf Persien Im Jahr 334 v. Chr. überquert Alexander mit rund 35 000 Mann den Hellespont, nachdem die Perser wiederholt versucht hatten, Griechenland zu besetzen. Bei Granikos werden die schlecht positionierten Truppen des Gegners ein erstes Mal besiegt. Im November 333 v. Chr. folgt die Schlacht bei Issos. Der Perserkönig Darius III. flieht. Alexander erobert weitere Städte, darunter Tyros, und Ländereien in Kleinasien. Im Jahr 331 v. Chr. unterwirft er Syrien und Ägypten.
Dann folgt ein entscheidendes Ereignis. Mit einem Trupp Soldaten zieht Alexander in die ägyptische Oase Siwa. Hier, im Heiligtum des Göttervaters Zeus-Ammon, lässt sich Alexander als «Sohn Gottes» begrüssen. Er wird zum Pharao, zum Gott-König, gekrönt. – War Alexander so vermessen und überzeugt, göttlicher Natur zu sein? Oder war auch diese Geste nur eine zeichenhafte Handlung in einem Land, wo die Könige gleichzeitig Götter waren? Jedenfalls bezeichnet er sich fortan selbst gerne als Sohn des Zeus und damit als Gott. Sein Schicksal ist besiegelt.
Alexander steht mit seiner Armee nun tief im Inneren Persiens. Er überquert den Tigris. Im Oktober 331 v. Chr. trifft er bei Gaugamela auf das neu zusammengestellte Heer von Darius. Wie Alexander mit seinen rund 50 000 Männern gegen eine dreifache Übermacht siegen konnte, ist für Militärexperten bis heute ein Rätsel. Der geflüchtete Darius wird von seinen Landsleuten umgebracht.
Alexanders Siegeszug geht weiter nach Babylon. Kampflos öffnen ihm die Babylonier Stadttore, der Staatsschatz wird ihm ausgehändigt. Auch die Stadt Susa fällt und Alexander wird als Grosskönig Persiens ausgerufen. Die alte Kulturstadt Persepolis lässt Alexander als Rache für das persische Abbrennen der Akropolis in Athen plündern und schleifen.
Doch Alexander will mehr; er will die Welt beherrschen und die Völker unter seiner Führung vereinigen. Sein Eroberungsfeldzug geht weiter ostwärts, Ziel ist Indien – das vermutete Ende der Welt. Er nimmt den Iran ein, ringt skythische Nomadenstämme nieder. Dann heiratet er die 13-jährige Roxane, eine baktrische Prinzessin. In den eigenen Reihen beginnt sich erster Widerstand zu regen. Alexanders Befehl, künftig nach persischer Sitte dem König zu Füssen zu fallen, lehnen die Makedonen und Griechen ab. Alexander lässt die Rädelsführer hinrichten.
Nach zwei Jahren erreicht der Zug Indien. Am Hydaspes kommt es zur Schlacht. Der indische Fürst Poros wird zwar besiegt, doch der Kampf hat viel Kraft gekostet. Die Soldaten meutern. Alexander bläst zur Umkehr. Im Jahr 325 v. Chr. erreichen sie Pattala. Die Armee splittet sich in drei Teile auf. Alexander und das Gros der Soldaten marschieren Richtung persisches Kernland. Der Weg führt durch die Gedrosische Wüste. Nach den Strapazen im indischen Dschungel folgt die Quälerei in der Wüste. Viele sterben, nur ein Viertel überlebt.
324 v. Chr. erreicht Alexander Susa. Hier will er ein Zeichen setzen für seinen Traum von der Verschmelzung der Griechen und Perser zu einem Volk. Er organisiert eine Massenhochzeit: 89 Männer aus seinem nächsten Gefolge und 10 000 Soldaten heiraten persische Frauen. Ob in der Schlacht oder beim Heiraten – auch hier geht Alexander mit seinem Beispiel voran. Er vermählt sich mit Stateira, einer Tochter des persischen Königs.
Krieg gesät statt Frieden Doch die Griechen wehren sich immer offener gegen die Gleichschaltung mit den Persern und deren Göttern und Kultur. Viele meutern. Alexander kann sie nur mit Mühe beruhigen. Doch sein Stern ist am Sinken. Im Jahr 323 v. Chr. stirbt sein Freund Hephaistion.
Überträgt man das von Alexander eroberte Reich auf die Gegenwart, dann umfasst sein Imperium jetzt Griechenland, Albanien, Türkei, Bulgarien, Ägypten, Libyen, Israel, Jordanien, Syrien, Libanon, Zypern, Irak, Iran, Afghanistan, Usbekistan, Pakistan und Teile Indiens. Im Jahr seines Todes dehnte sich sein Reich auf über 3,2 Millionen Quadratkilometer aus.
Die Verbrüderung der Völker bleibt ein Traum. Weder mit Macht, noch Diplomatie oder Korruption konnte Alexander Frieden unter den Völkern schaffen. Das Gegenteil hat er erreicht: Im Namen von Kultur und Fortschritt hat er die halbe Welt mit Kriegen überzogen und nichts als Scherben hinterlassen.
Dramatisch erfüllt sich die Vorausschau des Propheten Daniel über den «Ziegenbock»: «Und der Ziegenbock wurde gross über die Massen; und als er stark geworden war, zerbrach das grosse Horn, ...» (Daniel 8,8 a).
Ein letztes Mal ruft der getriebene Eroberer zur Mobilmachung. Alexander will die Arabische Halbinsel unterwerfen, durch Libyen ziehen und Karthago angreifen. Aber er kommt nur bis Babylon. Dort, nach durchzechten Nächten, erkrankt Alexander der Grosse. Der Mann, der seinen Soldaten vor der entscheidenden Schlacht gegen die Übermacht der Perser zugerufen hat: «Besiegt eure Furcht und ich verspreche euch, ihr werdet auch den Tod besiegen!», der Heerführer, der nie einen Krieg verloren hat, unterliegt im Kampf gegen den Tod. Alexander der Grosse stirbt am 13. Juni 323 v. Chr. Er hat die ganze Welt gewonnen und dabei seine Seele verloren.
In einem Traum hatte der Prophet Daniel die Ereignisse der Weltgeschichte vorausgesehen. Ein Löwe mit Adlersflügeln (Dan. 7,4) steht für das Babylonische Reich. Ein Bär symbolisiert das Medopersische Reich. Ein geflügelter Leopard mit vier Köpfen versinnbildlicht das Griechische Weltreich: «Nach diesem schaute ich, und siehe, ein anderes, gleich einem Leopard, und es hatte vier Flügel eines Vogels auf seinem Rücken, und das Tier hatte vier Köpfe, und Herrschaft wurde ihm gegeben» (Daniel 7,6).
Das Traumbild entspricht dem realen Geschichtsverlauf. Vor 2300 Jahren eroberte der Makedonier Alexander der Grosse ausserordentlich rasch fast die ganze damals bekannte Welt (= Leopard mit Flügeln). Bei seinem Tod hinterlässt er ein Reich, das sich von Griechenland bis nach Indien erstreckt. Doch sein Glanz dauerte nur gute zehn Jahre. Die vier Köpfe weisen auf die Ereignisse nach dem Tod von Alexander hin – auf die vier Diadochenreiche.
Der Prophet Daniel schrieb an anderer Stelle: «Aber sobald er aufgestanden ist, wird sein Reich zertrümmert und nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt werden (...)» (11,4). Daniel sah sogar voraus, dass kein direkter Nachkomme Alexanders das Reich erben würde: «(...) Aber nicht für seine Nachkommen wird es sein und nicht der Macht entsprechend, mit der er geherrscht hat; denn sein Königreich wird zerstört und anderen zuteil werden, unter Ausschluss von jenen» (11,4). Zwar hinterliess Alexander einen Sohn namens Herkules und ein weiterer Sohn wurde kurz nach seinem Tod von Roxane geboren. Beide wurden jedoch ermordet. Das multikulturelle Riesenreich als Ganzes zusammenzuhalten, vermochte keiner. Es zerfiel rasch. Die Generäle teilten das Grossreich in blutigen Kämpfen unter sich auf.
In den «Diadochenkriegen» rieben sich die regionalen Fürsten gegenseitig auf. Nach der Schlacht bei Ipsos (301 v. Chr.) bildeten sich vier grössere Königreiche:
- Kassander erwirbt Makedonien (Westen)
- Lysimachus Kleinasien und Thrakien (Norden)
- Seleukus Syrien (Osten)
- Ptolemäus Ägypten (Süden)
Daniel hat auch das aufgezeichnet: «... und vier ansehnliche Hörner wuchsen an seiner Statt nach den vier Winden des Himmels hin» (Daniel 8,8 b). Und in Daniel 8,21 und 22 wird bestätigt: «Und der zottige Ziegenbock ist der König von Griechenland. Und das grosse Horn, das zwischen seinen Augen war, das ist der erste König. Und dass es zerbrach und dass vier (andere) an seiner Stelle auftraten, (bedeutet): vier Königreiche werden aus der Nation aufstehen, aber nicht mit seiner Macht.»
Der Ziegenbock scheiterte Das Leben Alexanders des Grossen bildet einen Wendepunkt in der Geschichte. Er war militärisch so erfolgreich wie kein anderer. Dazu etablierte er in der westlichen Welt die Konstitution des respektierten Monarchen und gründete Städte mit dem Ziel, dass von ihnen aus die griechische Lebensform ganze Regionen beeinflussen solle. Was Alexander nicht schaffte, war die angestrebte Verbrüderung der Völker. Weder mit Macht, noch Diplomatie oder Korruption war und ist der Friede aufzurichten.
Während vielen Jahrhunderten nach seinem Tod war das Griechische die Sprache der Literatur, der Religion und des Handels. Davon profitierte später auch das keimende Christentum. Alexander stiess das Tor der Welt für die Griechen auf. Der Hellenismus bildete gleichzeitig den Boden für das nachfolgende Römische Reich.
Daniel sah ein viertes Tier: «Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: Und siehe, ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark, und es hatte grosse eiserne Zähne; es frass und zermalmte, und was übrig blieb, zertrat es mit seinen Füssen; und es war verschieden von allen Tieren, die vor ihm gewesen, und es hatte zehn Hörner» (Daniel 7,7).
Das vierte, besonders schreckliche Tier symbolisiert die römische Macht. Tatsächlich unterjochten die römischen Legionen ein Land ums andere mit eiserner Härte.
Erfüllte Prophetie Es macht sprachlos, wie detailgenau die biblische Prophetie ist. Sie unterstreicht vehement und generell die Wahrheit des Bibeltextes. Dagegen sind die Quellen, die das Leben Alexanders des Grossen beschreiben, wenig handfest. Die Geschichtsschreibung über Alexander basiert in vielem auf Vermutungen.
Mindestens acht antike Alexander-Biografien haben die Jahrhunderte überdauert. «Trotzdem», so schreibt P. J. Blumenthal in «P. M. History», «tappen wir im Dunkeln, wenn wir sein Leben rekonstruieren wollen. Denn bis auf eines entstanden alle diese Bücher rund 300 Jahre nach dem Tod des Eroberers.»
Robin Lane Fox, Mitglied des New College in Oxford und Autor einer Alexander-Biografie, wurde von Oliver Stone als wissenschaftlicher Berater für den Film über Alexander beigezogen. Über die Historizität von Alexanders Leben sagt Fox: «Was unter anderem an Alexander so fasziniert, sind die Lücken in unserem Wissen über ihn. Sie lassen so viel Platz für unsere Fantasie.»
Interessant, was Alexander-Darsteller Colin Farrell sagt: «Alexander war ein Mann, der nichts unversucht liess, sich seine Träume zu erfüllen. Die Antriebskraft dafür, das glaube ich wirklich, war etwas viel Stärkeres als Gier und der Wunsch nach Eroberung. Sein ganzes Leben lang suchte Alexander nach Antworten und, meiner Ansicht nach, auch nach Liebe. Alexander tat alles mit einer fast wahnsinnigen Leidenschaft. In seinem Palast in Makedonien hätte er ein schönes Leben haben, seine Untertanen besteuern und den für einen König angemessenen Luxus geniessen können. Aber in seiner Brust klaffte ein Loch, das nicht zu schliessen war. Und die Suche nach Antworten trieb ihn bis ans Ende der Welt.»
Alexander war ein Getriebener, ein Suchender, kein Friedefürst. Gibt es im Prophetenbuch Daniel vielleicht Hinweise, wo denn der wahre Retter der Welt zu finden ist?
Daniel Kündigt den Retter an Prophetische Hinweise auf den Weltenerlöser sind nicht allein in den Büchern der Propheten zu finden, sondern ebenfalls im Gesetz Mose und den anderen AT-Schriften. Doch das Buch Daniel ist wiederum von grosser Bedeutung. Im 9. Kapitel wird der Zeitpunkt des Kommens des Messias als Fürst genannt!
Der erste Vers des 9. Kapitels sagt, dass die darauf folgende Prophezeiung auf den Messias hin aus dem Jahr 536 v. Chr. stammt. Es ist das erste Regierungsjahr des Mederkönigs Darius (Sohn des Ahasveros, ca. 536 v. Chr.). In dieser Zeit lag Jerusalem in Schutt und Asche.
Daniel befand sich in Babylon (Daniel 9,1; 2. Chronik 36,21–23; Esra 1; 6,3–5), als er die Prophetie von den «70 Wochen» (vgl. Daniel 9,24–27) erhielt. In Daniel 9,25 und 26 heisst es: «So sollst du erkennen und verstehen: Von dem (Zeitpunkt an, als das) Wort erging, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis zu einem Gesalbten, einem Fürsten, sind es sieben Wochen. Und 62 Wochen (lang) werden Platz und Stadtgraben wiederhergestellt und gebaut sein, und zwar in der Bedrängnis der Zeiten. Und nach den 62 Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und wird keine Hilfe finden. Und das Volk eines kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören. (...).»
Mit dem Zeitpunkt des Erlasses zum Wiederaufbau der Stadt bis zum Augenblick, in dem der Messias als Fürst kommen wird, vergehen 69 Jahrwochen (1 Jahrwoche = 7 Wochen), das sind 483 Jahre. Aus Nehemia 2,1 geht das Erlassjahr exakt hervor: «Im Monat Nisan im zwanzigsten Jahr des Königs Artasasta» (= Artaxerxes I. Longimanus). Artaxerxes regierte von 465 bis 423 v. Chr. Sein 20. Regierungsjahr ist 445 v. Chr. Der Nisan fällt in unserer Jahreseinteilung auf die Monate März/April.
Für die damaligen israelitischen Leser der prophetischen Bücher stand fest: Vom Zeitpunkt des Dekrets zum Wiederaufbau Jerusalems an (= März/April 445 v. Chr.) sind 483 Jahre hinzuzuzählen, dann muss der Messias als Fürst auftreten. Mit dieser Information öffnen wir nun das Neue Testament ...
Als Jesus von Nazareth in Jerusalem einzog, feierten ihn die Juden als König und Messias. Nach dem Bericht von Lukas begann Jesus seinen öffentlichen Dienst im «15. Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius» (Luk. 3,1). Tiberius regierte von 14 bis 37 nach Christus. Sein 15. Regierungsjahr war das Jahr 29 nach Christus. Jesus wirkte während rund drei Jahren öffentlich, denn Johannes berichtet von drei Passahfesten, an denen Jesus teilnahm (vgl. Joh. 2,13; 6,4; 11,55), während Lukas direkt von drei Jahren seiner öffentlichen Tätigkeit schreibt.
Gehen wir einen Schritt weiter: Johannes 12, Vers 1 sagt, dass Jesus sechs Tage vor dem Passah der Juden nach Bethanien kam (im Jahr 32 n. Chr.). Die Verse 12 ff. berichten uns dann, dass der Einzug des als Fürsten gefeierten Jesus am folgenden Tag stattgefunden habe. Der 5. Tag vor dem Passah der Juden fällt nach dem jüdischen Kalender auf den Monat Nisan des Jahres 32 nach Christus. Damit kennen wir den Anfangs- und den Endpunkt der 69 Jahrwochen: Das Jahr 445 vor Christus (März/April) und das Jahr 32 nach Christus (März/April).
Ein Jahr in der Bibel zählt 360 Tage (vgl. Off. 11,3 mit Off. 12,14, wo 3 1/2 Jahre gleich 1260 Tage sind, d. h. ein Jahr hat 360 Tage). Die 69 Jahrwochen sind umgerechnet 173 880 Tage (69 x 7 x 360). Exakt diese Anzahl von Tagen muss demnach zwischen 445 v. Chr. und 32 n. Chr. liegen. Da es in der Geschichte kein Jahr 0 gibt, ist das Ergebnis perfekt: Zwischen März/April 445 vor Christus und März/April 32 nach Christus, dem Einzug von Jesus in Jerusalem, liegen genau 173 880 Tage. Daniel sah das Kommen des Messias Jesus Hunderte von Jahren im Voraus. Seine Prophetie hat sich erfüllt.
Jesus, der Christus Als Jesus in Bethlehem geboren wurde, sangen die Engel: «Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens» (Luk. 2,14). Den Hirten sagten die himmlischen Boten: «Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids» (Luk. 2,10 und 11). – Frieden auf Erden, der Retter ist geboren?
Als H. G. Wells gefragt wurde, welche Person die Geschichte am meisten geprägt habe, meinte er – vorausgesetzt man beurteile die Bedeutung eines Menschen nach historischen Gesichtspunkten – das sei Jesus gewesen. Der Historiker Kenneth Scott Latourette sagte: «Je mehr Zeit vergeht, umso offensichtlicher wird, dass Jesus, gemessen an seinem Einfluss auf die Geschichte, das folgenschwerste Leben führte, das je auf diesem Planeten gelebt wurde.» Folgenschwerer noch als das Leben Alexanders des Grossen?
Zunächst ist festzuhalten, dass die Berichte des Neuen Testaments mit fast 5300 griechischen Handschriften enorm gut belegt sind. Dazu kommen weitere 9000 Handschriften der alten Übersetzungen und Zehntausende von Bibelzitaten bei den Kirchenvätern. Der zeitliche Unterschied zwischen der eigentlichen Urschrift und den ältesten überlieferten Handschriften beträgt nur 35 bis 250 Jahre. Bei griechischen und lateinischen Klassikern ist diese Zeitspanne in der Regel 900 bis 1300 Jahre.
Drei der vier Evangelien wurden mit Sicherheit vor der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) verfasst. Hätten irgendwelche geschichtlichen Tatsachen in den Evangelienberichten nicht gestimmt, dann hätte die jüdische Seite die Mängel sofort als Waffe gegen das aufkeimende Christentum eingesetzt. Doch die Fakten waren und sind unanfechtbar.
Der Theologe Roger Liebi meint denn auch: «Es ist undenkbar, dass führende Männer des damaligen Judentums wie Nikodemus oder Saulus von Tarsus oder der aus Alexandria stammende Schriftgelehrte Apollos Christen geworden wären, wenn diese damals ihren Glauben mit irrigen, absurden, verlogenen und pseudohistorischen Fakten zu untermauern versucht hätten.»
Die Erfüllung biblischer Prophetie zeigt, dass Gott auch der Herr der Geschichte ist. Er beschäftigt sich mit der Erde und den Menschen. Jesus wurde zu einem Zeitpunkt geboren, als der römische Kaiser Augustus eine Volkszählung im gesamten Reich angeordnet hatte. In Judäa regierte damals König Herodes. Maria und Josef aus Nazareth reisten zur Einschreibung nach Bethlehem, den Geburtsort von König David.
Im 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius, im Jahr 29 n. Chr., begann Jesus öffentlich zu wirken. Pontius Pilatus war dazumal Statthalter in Judäa. Jesus schloss sich jenen Menschen an, die sich von Johannes dem Täufer im Jordan taufen liessen. Die Menschen, die Johannes reden hörten, fragten sich, ob der asketische Täufer vielleicht der erwartete Messias sei (Luk. 3,15). Doch Johannes winkte unzweideutig ab: «Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen» (Luk. 3,16).
Als Jesus auf ihn zukam, rief Johannes laut, dass es alle hörten: «Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!» (Joh. 1,29). Jesus liess sich dann gegen den Willen von Johannes taufen. Dabei geschah Übernatürliches: Der Himmel tat sich auf und wie eine Taube fuhr der Heilige Geist herab zu Jesus. Sein Kommen wurde von einer Stimme begleitet, die sagte: «Dies ist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen» (Luk. 3,22). – Der Gottessohn als Lamm?
Daniel sah nicht nur das Kommen eines Fürsten voraus, sondern auch (vgl. Dan. 9,26) den gewaltsamen Tod eines Königs: «(...) ein Gesalbter wird ausgerottet werden (...)» Auch der Prophet Jesaja sah einerseits das Kommen eines königlichen Messias voraus, aber genauso eines leidenden in Knechtsgestalt: «Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird» (Jes. 53,7). Der Apostel Petrus erinnerte die Christen daran, dass sie nicht mit materiellen Dingen erlöst wurden, «sondern mit dem kostbaren Blut Christi als eines Lammes ohne Fehler und Flecken» (1. Petrus 1,18 und 19).
Und der Seher Johannes berichtet in Offenbarung 5,12, wie viele Engel laut sagten: «Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis.»
Göttliche Ehre für einen galiläischen Zimmermann? Ja, dass dieser Zimmermann von sich sagte, das Licht der Welt zu sein und als solches noch nach Jahrhunderten anerkannt wird, lässt sich am ehesten mit seiner Göttlichkeit erklären.
Im Essay «One Solitary Life» heisst es: «Hier ist ein Mann, der in einem unbekannten Dorf geboren wurde, das Kind einer ländlichen Frau. Er wuchs in einem anderen Dorf auf. Er arbeitete in einer Zimmermannswerkstatt, bis er 30 war, und verbrachte dann drei Jahre als Wanderprediger. Er besass nie ein Haus. Er schrieb nie ein Buch. Er hatte nie ein Amt bekleidet. Er hatte nie eine eigene Familie. Er ging nicht zur Universität. Er setzte seinen Fuss nie in eine Grossstadt. Er entfernte sich zeitlebens nicht mehr als 500 Kilometer von seinem Geburtsort. Er tat nie etwas, das gewöhnlich mit Grösse in Verbindung gebracht wird. (...) Noch als er ein junger Mann war, wandte sich die öffentliche Meinung gegen ihn. Seine Freunde rannten davon. Einer von ihnen verleugnete ihn. Er wurde seinen Feinden ausgeliefert und in einem Scheinprozess verurteilt. Während er starb, würfelten seine Henker um das Einzige, was er besass – sein Gewand. Als er tot war, wurde er vom Kreuz genommen und von einem mitleidigen Freund in ein geborgtes Grab gelegt.
Neunzehn Jahrhunderte sind gekommen und vergangen, und heute ist er der Mittelpunkt der Menschheit und der Anführer der Kolonne des Fortschritts. Es ist mehr als berechtigt, wenn ich sage, dass alle Heere, die je marschierten, alle Seestreitkräfte, die je aufgebaut wurden, alle Parlamente, die je getagt haben, und alle Könige, die je regiert haben, dass sie alle das Leben der Menschen auf dieser Erde nicht so machtvoll beeinflusst haben wie das Leben dieses Einen.»
Der Eine schlug die Brücke von Gott zum Menschen. Die Trennung durch die Schuld (vgl. Jes. 59,2) findet ein Lösungsangebot von oben. Gott will das Verhältnis des Menschen zu ihm wieder herstellen. Dazu sandte er seinen ewigen Sohn Jesus Christus zur Erde – Gott wurde Mensch aus Liebe zum Menschen: «Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe» (Joh. 3,16).
Philipp Yancey formulierte treffend: «Als Jesus die Welt in Gestalt eines Knechts betrat, zeigte er damit, dass auch die unbedeutendste Person auf Erden in Gottes Hand nicht untergeht. Diese Hand trägt unsere persönlichen Namenszüge, aber sie trägt auch Wundmale, die davon zeugen, was Gott sich seine grosse Liebe zu uns hat kosten lassen.»
Gott legte die Sünde der Menschen auf seinen Sohn. Bewusst geht Jesus den Weg bis in den Tod. Er stirbt am Kreuz. Das Lamm trägt die Strafe für die Sünder stellvertretend (vgl. 1. Petr. 2,24 bis 25; Jes. 53,5–6; 10–12). Seither kann jeder Mensch, der seine Schuld gegenüber Gott erkennt und bedauert, diese betend Jesus sagen und die auf Golgatha errungene Erlösung für sich persönlich annehmen. Gottes Gnade und Vergebung verheissen ewiges Leben (vgl. 1. Joh. 1,9; 5,13).
Jesus war nicht gezwungen, sein Leben hinzugeben. Er hatte die Macht, alles zu tun, was er wollte: «Niemand nimmt es (mein Leben) von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen» (Matth. 26,53 und 54). Doch er trank den bitteren Kelch für die Menschen und starb. Nach drei Tagen ist er auferstanden. Er besiegte den Tod. Er ist der verheissene Erlöser der Welt. Von Gott gesandt, von Engeln verehrt, von den Heiligen angebetet, vom Teufel gefürchtet.
Kurz, bevor Jesus zurück zum Vater ging, sagte er den Jüngern: «Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin ...» (Matth. 28,18 und 19). Der «Armee», die Jesus zur Weltevangelisation zusammenrief, gab er ziemlich unkonventionelle Waffen mit, beispielsweise Vergebung, Nächstenliebe, Selbstaufopferung usw. Das hatte er ihnen vorgelebt. Das Reich Gottes wird nicht mit den Mitteln der Welt gebaut, weder mit militärischer Macht, noch wirtschaftlicher Kraft, sondern durch eine geistige Revolution.
Christen sind aufgefordert, die im Neuen Testament gelehrten, geistlichen Waffen einzusetzen, um Gottes Macht zum Durchbruch zu verhelfen. Die Kirchengeschichte lehrt, dass diese Waffen erprobt, wirkungsvoll und lebensbringend sind. Wo sie eingesetzt werden, erleben Menschen Gottes Heil. «Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heisst Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst» (Jes. 9,5).
Viele jüdische Männer und Frauen im 1. Jh. akzeptierten Jesus als Gott. Offenbar hatten sie erkannt, dass Jesus, der Menschensohn, der Messias war, dass der Messias Gott war und dass Jesus deshalb Gott sein musste. Die Auferstehung bestätigte diesen Glauben.
Was Alexander mit Macht und List nie erreichte, nämlich eine Verbrüderung unterschiedlicher Völker unter seiner Führung, wird vom Propheten Daniel Jesus zugesprochen: «Ihm wurde Herrschaft und Ehre und Königtum gegeben, und alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum so, dass es nicht zerstört wird» (Dan. 7,14).
Der Seher Johannes beschreibt im Buch der Offenbarung, in den Kapiteln 4 und 5, eine zukünftige, himmlische Szene am Ende der Geschichte. Um einen Thron gruppieren sich 24 Älteste und vier geflügelte Himmelswesen. Vom Thron gehen Blitz und Donner aus. Ein Engel fragt laut: «Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen?» (Off. 5,3). Wer vermag das Buch der Geschichte aufzuschlagen oder besser: Wer vermag die Geschichte zu einem angemessenen Abschluss zu bringen? Keiner der Anwesenden hat diese Macht. Johannes empfindet die Dramatik dieser Situation: «Ich weinte sehr, weil niemand (für) würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen, noch es anzublicken» (Off. 5,4). Doch dann beginnt einer der Ältesten zu sprechen: «Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen» (5,5).
Tatsächlich! In der Runde aller Gestalten, welche für diese grosse Aufgabe nicht geeignet sind, steht noch ein weiteres Wesen. Aus Distanz betrachtet ist es das Unscheinbarste von allen. In der Mitte beim Thron steht ein Lamm. Johannes beschreibt: «Es sah aus wie ein Opfertier, das geschlachtet worden ist, (...)» (5,6) Ausgerechnet ein Lamm, ein hilfloses Lamm und ein geschlachtetes dazu! Ja, in diesem Bild fasst Johannes in der Offenbarung die gesamte Weltgeschichte zusammen: «Der allmächtige Gott, der ein Kind wurde, ein Lamm, ein Opfer – der Gott, der unsere Krankheit trug und unseren Tod starb, dieser Gott allein ist würdig.» (Yancey). Laut singen die Engel: «Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis» (Off. 5,12).
Unsere Kultur des 21. Jahrhunderts ist vom Materialismus geprägt. Die damit verknüpften Vorstellungen sind meilenweit entfernt vom Bild eines geopferten Lammes. Doch Kulturen und Zivilisationen blühen auf und gehen unter. Die Geschichte beweist, dass nichts, was der Mensch eigenhändig hervorbrachte, auf die Dauer bestehen blieb. Wir brauchen eine Hilfe, die ausserhalb von uns und dem Lauf der Geschichte liegt. Der amerikanische Autor Philipp Yancey kommt zum Schluss: «Wir brauchen ein Lamm, das vor Anbeginn der Welt geschlachtet wurde.»
Jesus Christus kam einmal auf diese Erde. Das war in Bethlehem vor 2000 Jahren. Und er kommt ein zweites Mal. Daniel sah auch dieses Ereignis im Traum: «Mit den Wolken des Himmels kam einer wie der Sohn eines Menschen» (Dan. 7,13). Rund 2600 Jahre später könnte Daniels «Nachtgesicht» schon bald zur Realität werden.
Literatur
- P. M. History, 12/2004
- McDowell/Wilson: Jesus von Nazareth. Tatsachen und Argumente für die Wahrheit der Evangelien. Neuhausen-Stuttgart, 1995
- McDowell: Die Bibel im Test. Neuhausen-Stuttg., 19966
- LaHaye/Ice: Countdown zum Finale der Welt. Ein Bildführer zum Verständnis biblischer Prophetie. Dillenburg, 2003
- Liebi: Weltgeschichte im Visier des Propheten Daniel. 20026 Liebi: Erfüllte Prophetie. Messianische Prophetie – ihre Erfüllung und historische Echtheit
- Drane, Hrsg.: Das Grosse Buch zur Welt der Bibel, Wuppertal, 1999
- Yancey: Die Bibel, die Jesus las. Wuppertal, 2000
- Encyclopedia Britannica
- Pressematerial zum Film «Alexander»
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