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Perfekt simulierte Wirklichkeit im Film
Durchbruch bei der Computeranimation von bewegten Bildern: Alles ist täuschend echt.
Thomas Lachenmaier
Es wird immer schwieriger, der Echtheit des Dargestellten in einer Fotografie oder auch eines Filmes zu trauen: Die Digitalisierung erlaubt eine immer perfektere Vortäuschung von Realität. Jetzt ist Computerfachleuten ein Durchbruch in der Animationstechnologie gelungen. Bislang waren computeranimierte Filme leicht als künstlich geschaffene Wirklichkeiten zu erkennen. Das wird mit einer neuen Technologie, die von der kalifornischen Firma Image Metrics entwickelt wurde, anders. Bislang mussten reale Personen, deren Bewegungen auf digitale Figuren übertragen werden sollten, mit Referenzpunkten beklebt werden. Mit der neuen Software ist es möglich, statt fest definierter Einzelpunkte jedes einzelne Pixel, das von der Kamera aufgenommen wurde, auf die dreidimensionale digitale Figur zu übertragen.
Dadurch können auch feinste Nuancierungen in der Mimik und auch der Augen täuschend echt simuliert werden. 90 Prozent der Arbeit habe darin bestanden, «die Leute davon zu überzeugen, dass die Augen echt sind», sagte Firmenchef Mike Starkenburg der britischen «Times».
Die perfekte Simulierung der Wirklichkeit wird nicht ohne Einfluss darauf bleiben, wie die Realität von den Menschen wahrgenommen wird. Schon heute vermischen sich virtuelle und echte Realität immer mehr: In Fernsehen, Internet und Fotografie sind Illusion und echte, analoge Darstellung vermischt. In der Fotografie etwa ist es nicht möglich, digital bearbeitete Bilder von authentischen Fotografien zu unterscheiden. Nun gilt das auch für das bewegte Bild.
Wie es sich auf die Wahrnehmung von Menschen auswirkt, dass sie aktiv, etwa als Hobbyfotografen, wie auch passiv, durch die tägliche Nutzung von Massenmedien, mit künstlich geschaffener Bildwirklichkeit zu tun haben und davon umgeben sind, ist eine wichtige und komplexe Frage. In der Zukunft werden sich Realität und Virtualität zunehmend vermischen, künstlich geschaffene Welten werden einen wachsenden Anteil am täglichen Erleben der Menschen haben.
Es ist wahrscheinlich, dass das Vertrauen in die medial vermittelte Realität schwindet und dadurch vielleicht auch die Vorstellung an Bedeutung gewinnt, dass die Realität selbst etwas sei, was beliebig verändert werden könne und somit beliebig und relativ sei.
Eine solche Einstellung hätte dann auch geistliche Konsequenzen: Wer nicht mehr davon ausgeht, dass es eine tatsächliche Realität gibt, der wird sich auch weniger in der Pflicht sehen, sich in dieser Wirklichkeit verantwortlich zu verhalten. Erst die Vorstellung einer tatsächlich realen Welt begründet den Gedanken der Verantwortlichkeit des Individuums dieser Welt gegenüber. Besonders gilt das natürlich, wenn von einer von Gott geschaffenen Realität ausgegangen wird.
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