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Bilanz der Bustour – mit und ohne Gott

Die atheistische Bewegung will die «Präsenz von Nichtreligiösen in der Gesellschaft» stärken. Auch Christen haben sich gut behauptet.

Peter Behncke

Die gute Nachricht zuerst: Gott bleibt Gesprächsthema, auch bei den Atheisten. Die Initiatoren der atheistischen Buskampagne ziehen in einer Abschlus­serklärung eine positive Bilanz und benennen künftige Ziele. Nach ihrer Einschätzung haben sie im Juni während ihrer dreiwöchigen Deutschland-Tour mehr als 20 Mio. Menschen mit ihrer gottlosen Botschaft «Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott» erreicht. Ihr Anliegen ist die stärkere Präsenz von Nichtreligiösen in der Gesellschaft. Künftig müssten Kirchen und andere Institutionen mehr denn je mit ihnen rechnen und zwar «als kompetentem Gegenüber auf gleicher Augenhöhe».

Doch da war noch ein anderer, christlicher Bus zeitgleich mit ihnen unterwegs. Nämlich der von der Organisation «Campus für Christus», und deren Botschaft lautete liebevoll subversiv: «Und wenn es ihn doch gibt ...»

Projektleiter Andreas Bartels zeigt sich zufrieden: «Wir haben im Laufe der Gottkennen-Tour unsere drei grossen Ziele erreichen können.» Diese seien gewesen: Erstens, die Internetseite www.gottkennen.de bekannt zu machen. Zweitens, in den verschiedenen Städten mit Menschen über den christlichen Glauben ins Gespräch zu kommen. Drittens, Christen vor Ort zu unterstützen, gemeindeübergreifend Aktionen umzusetzen.

Insgesamt verlief die Bustour der beiden Organisationen in gegenseitigem Respekt. Der faire, aber kritische Dialog sei ihnen ein Hauptanliegen gewesen, so Bartels. Lob kam denn auch von Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands. Er sagte, es sei Campus für Christus gelungen, ein Gegensymbol zur atheistischen Buskampagne zu setzen.

Die «Aktivisten in Sachen Unglauben», wie sie sich selbst bezeichnen, sehen sich als Vorreiter für den «neuen Atheismus». Sie sprechen davon, dass Evangelikale, Kreationisten und Islamisten die öffentliche Wahrnehmung und Themensetzung beherrschten. Übertrieben? Bewusste Fehleinschätzung?

Die Realität ist: In unserer westlichen Gesellschaft herrscht durchweg weltanschaulich eine chaotische Beliebigkeit, in der sich jeder seinen Glauben und seine Sicht auf diese Welt zurechtbastelt, und die ist in der Mehrheit alles andere als evangelikal, kreationistisch oder islamistisch. Von einer Vormachtstellung kann keine Rede sein. Der religiöse Fundamentalismus, der hier vorgeschoben wird, hat Alibifunktion, letztlich, um ein streitbares Gegenüber aufzubauen. Denn es ist nichts Neues, dass man sich am effektivsten am entschieden anderen Gegenüber profi- lieren kann (früher nannte man das Feindbild).

Die Initiatoren der atheistischen Buskampagne haben als Quintessenz drei Forderungen für ein «faires Miteinander von Gläubigen und Ungläubigen» formuliert: Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Religion und Weltanschauung ist Privatsache – und soll auch privat bezahlt werden – und schliesslich: Verzicht auf eine Missionierung unmündiger oder in Not geratener Menschen. Das klingt plausibel, bedeutet jedoch unterm Strich, dass für den von Jesus aufgetragenen Missionsbefehl dann kein Platz mehr wäre.

Toleranz einzufordern, ist eine Sache, sie selber anzuwenden, eine andere. Wenn man Sätze wie folgende in der Abschlusserklärung der Buskampagne liest, muss man befürchten, dass die Toleranz vorwiegend der eigenen Sache dienen soll: «Mitten im Europa des 21. Jahrhunderts erleben wir solche Eruptionen einer ‹Frömmigkeit wider besseren Wissens›.» Und dann wird behauptet, dass Solidarität und Nächstenliebe ihren Ursprung im natürlichen Verhalten des Menschen hätten. Erstaunt schaut man in unsere egoistische und gewaltbeherrschte Welt und fragt sich, wo sich dieses Verhalten denn zeigt.

Doch es kommt noch heftiger: «Zu viele moderne Werte mussten gegen die Religionen errungen werden: Demokratie und Gleichberechtigung, Meinungs- und Pressefreiheit, die Freiheit von Wissenschaft und Kunst, das Verbot von Folter und Todesstrafe, Minderheitenschutz und Toleranz gegenüber ­Andersdenkenden.» Wer so etwas schreibt, beherrscht die hohe Kunst des Ausblendens, denn all diese Werte wurden gerade mit und durch Christen errungen.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden der Europäischen Allianz, Jiri Unger (Prag), ist der Atheismus die am schnellsten wachsende Weltanschauung in Europa. Auf einer Allianz-Konferenz Ende Juli im thüringischen Bad Blankenburg sagte er, dass Europa eine neue Generation von gut ausgebildeten Christen brauche, die intellektuell auf den Kampf der Ideologien vorbereitet seien. Sie sollten die Hoffnung verbreiten können, dass das Evangelium Gesellschaften verändere.

Aus der atheistischen Buskampagne ist die Idee eines fortführenden Internetportals www.gottlos-glücklich.de entstanden, deren Anliegen es künftig sein wird, ein «positives Bild vom Unglauben» zu vermitteln.

Auch für Campus für Christus geht die Tour ohne Bus weiter. Auf der Internetseite www.tour.gottkennen.de geben sie Anregungen und Informationen zum christlichen Glauben und bringen persönliche Berichte von Christen, die davon erzählen, was sie mit Gott erlebt haben. Themen wie «Wer ist Jesus?» finden sich dort ebenso wie ein erstes Gebet, um sich auf Gott einzulassen.

Die (nicht wirklich) schlechte Nachricht am Schluss: Die Atheisten werden auch künftig Gott nicht los. Wie sagte der grosse russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski (1821–1881): «Ein vollständiger Atheist steht auf der vorletzten Stufe zum vollständigsten Glauben.» Es besteht also Hoffnung. Der lebendige und liebende Gott bleibt uns Menschen auf den Fersen. Auch online. Gott sei Dank!

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