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Das Leiden Jesu im Kino

Biblische Stoffe gelten als unpopulär. Das hinderte den Hollywood-Schauspieler Mel Gibson nicht, mit eigenem Geld einen Film über den Leidensweg von Jesus Christus zu produzieren: „The Passion of the Christ“.

von Rolf Höneisen

Der Film „The Passion of the Christ“ zeigt Jesus von Gethsemane bis Golgatha – und wie! Jesus wird dem Kinobesucher grossformatig und so blutig vor Augen geführt, wie es wohl nicht einmal die damaligen Zeugen der brutalen Hinrichtung mitbekommen haben. Kein Wunder polarisiert der Film. Den einen enthält er zu viel Gewalt. Andere halten ihn für antisemitisch. Wieder andere reden von einem Werbefeldzug für den Katholizismus. Eine Zeitlang schien es gar, das Projekt verschwinde unveröffentlicht im Archiv. Jetzt ist der Film in den USA angelaufen und die Zuschauer strömen ins Kino.

Es gibt Kritiker aus dem christlichen Bereich, welche die Falschdarstellungen im Film anprangern: Szenen und Einschübe, die nicht in den Evangelien stehen. Sie vermuten dahinter gezielte Werbung für katholische Legenden und eine falsche Abendmahlslehre. Es könne auf keinen Fall sein, dass ein Kinofilm Menschen wirklich zum Glauben treibe. Dies vermöge alleine das Wort Gottes in der Bibel. Sie haben Recht. Doch diese Tatsache wird nur wenige vom Kinobesuch abhalten. Millionen werden die „Passion Christi“ sehen. Aus dieser Sicht kann es nicht nur darum gehen, die Splitter zu suchen, sondern auch darum, die Wahrheit zu bezeugen.

Der UPI-Journalist und Theologe Uwe Siemon-Netto hat den Film gesehen. In „idea-Spektrum“ schreibt er: „Zwei Stunden nach der Kreuzigungsszene liegen meine Finger unkontrollierbar zitternd auf der Tastatur meines Computers. Meine Frau darf mich nicht ansprechen. Mein Puls ist augenscheinlich nach wie vor so hoch wie während der gesamten Vorpremiere von Mel Gibsons Film ‚Die Passion Christi’ (...) Wenn dieses Werk keine nachhaltigen Folgen für unsere heruntergekommene westliche Gesellschaft hat, dann wehe unser! (...) Ich hoffe, dass die Abermillionen, die mir ins Kino folgen werden, hernach wie ich noch stundenlang bebend dasitzen und begreifen, dass nach diesem Film nur noch beten hilft.“ Was, wenn es vielen wie ihm geht?

Die säkularen Massen, die den Film ablehnen, tun dies, weil sie die Tat Gottes als solche ablehnen und als unsägliche Torheit verurteilen (vgl. 1. Kor. 1,18). So zum Beispiel auch ein Teilnehmer im „Spiegel Online“-Forum: „Mag sein, dass die Kreuzigungen damals so brutal wie in diesem Film geschildert abgelaufen sind. Wahrscheinlich war es so. Aber dass eine Religion einen Foltertod in den Mittelpunkt ihrer Heilsbotschaft stellt, ein Folterinstrument zum milliardenfachen Symbol wurde, das ist das eigentlich bedenkliche. Diese ganze Geschichte von ‚Schuld auf sich genommen’ und ‚für unsere Sünden gestorben’ ist ein wesentlicher Kritikpunkt. Ein Gott, der fordert, dass ich im Zeitalter von Weltraumforschung und Biotechnologie an einen Haufen irrationaler Geistergeschichten glauben muss, um das Heil zu erlangen und dabei brutal und unnachsichtig agiert, wenn man nicht auf seinen Buchstaben hört, hat für mich keine Daseinsberechtigung.“ Das Opfer des Sohnes, Schuld und Sühne, das ist es letztlich der Skandal, der Anstoss erregt.

Nach unvorstellbar grausamer Folter und gemeinster Verhöhnung, stirbt Jesus am Kreuz. In Gibsons Film taucht an dieser Stelle Satan auf, der sich am Boden windet. Dem Teufel ist das Lachen vergangen. Christus ist auferstanden vom Tode! Was nach Niederlage aussieht, ist der triumphale Sieg Gottes über Sünde, Hölle, Tod und Teufel: „Er hat die Liste der Anklagen gegen uns gelöscht; er hat die Anklageschrift genommen und vernichtet, indem er sie an das Kreuz Christi genagelt hat. Auf diese Weise hat Gott die Herrscher und Mächte dieser Welt entwaffnet. Er hat sie öffentlich blossgestellt, indem er sie durch Christus am Kreuz besiegt hat“ (Kolosser 2,14 und 15, NL). Welch eine Gnade!
 
Ein abschliessender Hinweis: Kinogänger, welche die biblischen Berichte nicht gelesen haben und das Evangelium nicht kennen, werden diesen Film kaum in der beabsichtigten Weise verstehen.

© factum online 2. März 2004

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