Bilderjagd und Bilderflut
(11. November 2006/factum) - Medien prägen unser Welt- und Menschenbild und ihr Zugriff auf den Menschen wird immer umfassender. Wie kann man mit der Bilder- und Informationsflut sinnvoll umgehen?
Thomas Lachenmaier
„Der Tsunami im Dezember 2004 war der Urknall. Die vielen Fotohandys überall bedeuten eine dramatische Veränderung und bieten uns die Chance, gute Bilder zu kriegen.» Diese Aussage von Frank Thomsen, dem Chefredakteur von stern.de, dem Internet-Ableger der Hamburger Illustrierten, wirft ein Schlaglicht auf neue Entwicklungen der Medien.
Die Jagd nach dem Sensationsfoto wird mit immer härteren Bandagen geführt. Ethische und professionelle Bedenken haben einen zunehmend schweren Stand. Auf den ersten Blick scheint es nur eine kleine Sache zu sein: Boulevardzeitungen und Zeitschriften animieren ihre Leser dazu, Fotos einzusenden, und versprechen für den Fall des Abdrucks gute Honorare. 1000 Euro winken, wenn ein Foto auf einer Doppelseite des «Stern» abgedruckt wird. 500 Euro verspricht die «Bild-Zeitung» für ein Foto, das in der landesweiten Ausgabe erscheint.
Vorreiter der Entwicklung sind das schweizerische Massenblatt «Blick» und das deutsche Pendant die «Bild-Zeitung». Sie werben um Fotos, die von den Lesern mit ihren Handys oder Digitalkameras aufgenommen wurden. Gesucht werden vor allem Aufnahmen von Prominenten, von Unfällen oder Katastrophen, deren Zeuge ein Leser zufällig wurde.
Warum ist diese neue Entwicklung von besonderer Bedeutung? Welche Auswirkungen hat das auf die Presselandschaft? Um das zu bewerten, ist es sinnvoll, sich kurz zu vergegenwärtigen, welche Funktion und welchen Einfluss Medien auf unser Leben haben. Medien verbinden uns mit der Welt. Ohne Information gibt es keine Teilhabe an dem, was in der Nachbarschaft und in der Welt geschieht. Damit prägen Medien – Zeitung, Radio, Fernsehen, Internet, auch die Werbung – unser Weltbild, sie prägen unser Menschenbild, beeinflussen unser Denken und Fühlen. Sogar unsere Selbstwahrnehmung wird von dem beeinflusst, was die Werbung und Medien an Normen, Beurteilungen, an Weltsicht transportieren.
Man denke etwa an die Leitbilder, die von der Schönheits-Industrie vermittelt werden. Deshalb ist es wichtig, die Medien bewusst zu nutzen und sich nicht einfach zum gedankenlosen Objekt von dem machen zu lassen, was ohne Unterlass auf uns einströmt. Neue technologische Möglichkeiten wie das Internet und die Digitalisierung der Bildherstellung verändern die Medien dramatisch. Symptomatisch für die künftige Entwicklung – die Anlass zur Nachdenklichkeit gibt – ist die so genannte Handy-Fotografie. Die Digitalisierung der Fotografie und die Miniaturisierung ihrer Technik bis hin zum Foto-Handy wird enorme Auswirkungen auf den Journalismus haben – und damit auf uns alle.
Lesen Sie den ausführlichen Artikel in FACTUM 8/2006.
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