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Babel

Kommunikation ist ein Problem – aber nicht das grösste. Im Film «Babel» fügen sich vier Geschichten zu einer zusammen.

Carole Huber

Alles beginnt damit, dass ein japanischer Tourist seinem marokkanischen Reiseführer ein Gewehr schenkt. Kurz darauf wechselt die Waffe den Besitzer: Neu sollen die Söhne eines Ziegenhirten damit die Schakale von den weidenden Tieren fernhalten. Ob das Ding tatsächlich drei Kilometer weit schiesst? Die Jungen probieren es aus, zielen auf einen Reisebus – und treffen.

Opfer ist die amerikanische Touristin Susan (Cate Blanchett), die mit ihrem Mann Richard (Brad Pitt) verreist ist, um ein schweres Erlebnis zu verarbeiten. Eine stark blutende Wunde, unkollegiale Mitreisende, sengende Hitze. Fernab von jeglicher Zivilisation kämpft Richard um das Leben seiner schwer verwundeten Frau.

Ihre zwei Kinder Debbie und Mike befinden sich inzwischen in der sicheren Obhut der mütterlichen Mexikanerin Amalia (Adriana Barraza). Diese freute sich auf die Hochzeit ihres Sohnes – doch da sich die Rückkehr von Susan und Richard nach San Diego verzögert, fürchtet sie, absagen zu müssen. Als sie trotz aller Bemühungen kein Kindermädchen findet, entscheidet sie sich auf Drängen ihres Neffen Santiago (Gael García Bernal), die Fahrt ins Nachbarland trotzdem anzutreten und die Kinder einfach mitzunehmen.

In Tokio lebt Yasujiro (Kõji Yakusho) mit seiner Tochter Chieko (Rinko Kikuch). Der Vater versucht vergeblich, den Zugang zum rebellischen Teenager-Mädchen zu finden. Chieko ist taubstumm und leidet darunter, dass ihre Mutter Selbstmord begangen hat. Nachdem sie von gleichaltrigen Jungs abgewiesen wird, macht sie einem Zahnarzt eindeutige Avancen. Als sie abblitzt, versucht sie es erneut in der Disco. Das Mädchen lechzt nach Liebe und versucht, dieses Bedürfnis durch Sex zu stillen – ein Unterfangen, das immer wieder in Frust und Enttäuschung endet.

Regisseur Alejandro González Iñárritu hat für «Babel» vier Geschichten auf drei verschiedenen Kontinenten ineinandergefügt. Für den Zuschauer setzt sich die Story wie ein Puzzle zusammen. Er weilt für zehn Minuten in Marokko, dann in San Diego, weiter geht’s nach Marokko, Tokio usw. Dabei macht er nicht nur Zeitsprünge, sondern wechselt im wahrsten Sinne des Wortes von einer Welt in die andere: von der kargen Wüstenlandschaft des marokkanischen Atlasgebirges, über die bevölkerungsreiche Metropole Tokio bis hin zum üppigen Getümmel, wie es im bunten Mexiko herrscht.

Im biblischen Bericht, dem die Geschichte zugrunde liegt, hat das stolze Abwenden des Menschen von Gott die Sprachverwirrung zur Folge. Iñárritu’s Streifen zeigt weitere Konsequenzen dieser arroganten Haltung, die bis heute die Menschheit prägt.

Wo Gott nicht den ersten Platz in einem Leben erhält, gibt es Ungehorsam, wie jener der beiden Hirtenjungen, Selbstwertkomplexe, wie Chieko sie plagen, Meinungsverschiedenheiten, wie Richard und Susan sie erfahren, Trunkenheit und Egoismus, wie Santiago sie auslebt. All diese Handlungen haben Konsequenzen – die oftmals viel weiter reichen, als man sich vorstellen kann. Das ist die Hauptbotschaft des Films, über die es sich nachzudenken lohnt.

Die Welt, die Iñárritu in «Babel» zeichnet, zeigt unsere von Gott entfremdete Situation realistisch und deshalb auch düster und bedrückend. Wenn man sieht, wie die marokkanischen Polizisten mit Zivilisten umgehen oder wie Santiago vor den schockierten Kindern einer Henne einfach den Kopf abreisst, stockt dem Zuschauer das Blut in den Adern. Das Drama funktioniert dank seiner gelungenen Erzählstruktur, der kraftvollen Bilder und der ausgezeichneten Besetzung.

Dem biblischen Bericht über die Sprachverwirrung von Babel steht eine andere Passage in der Heiligen Schrift gegenüber. In Offenbarung 7,9 bis 10 sind Menschen aus allen Nationen, Völkern und Sprachen beschrieben, die Gottes Sohn loben, preisen und ehren. Unsere Welt, wie in «Babel» beschrieben, muss nicht das Ende sein. Bedingung dafür ist das Gegenteil von dem, was das Gericht über die Arroganz des Menschen auslöste: echte Zuwendung zu Gott.

© factum 1/2007, Seiten 16 und 17

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