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Tanz ins Dunkle

Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross beschönigte den Tod. Die Macht nahm sie ihm damit nicht.

von Rolf Höneisen

Sie traf auf Menschen im Endstadium, „die um Ruhe, Frieden und Würde baten, aber Infusionen, Transfusionen und Herzmaschinen erhielten“. Die Tatsache, dass sterbende Menschen vom medizinischen Personal gemieden und über ihren tatsächlichen Zustand im Unklaren gelassen wurden, liess ihr keine Ruhe. Elisabeth Kübler-Ross handelte. Die junge Ärztin hatte den Mut, sich neben die Sterbenden zu setzen und ihnen zuzuhören. Sie fragte sie, was und woran sie dachten, welche Gefühle sie angesichts des Todes hatten. In Vorlesungen liess sie Menschen, die vor dem Tod standen, zu Wort kommen. Sie sammelte und strukturierte die Berichte der Sterbenden. Diese würden einen Prozess in fünf Stadien durchlaufen: Leugnung, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz.

1969 erschien ihr erstes Buch „Über Tod und Sterben“. Es wurde zum Standardwerk im Bereich der Sterbeforschung und –begleitung. Sterben und Tod war der Schleier des Schweigens weggenommen. Man durfte über den Tod reden. Etwas, wozu uns auch der Psalmist rät: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Ps. 90,12).

Im Bereich der Sterbehilfe hat die am 8. Juli 1926 in Zürich geborene und am 24. August 2004 in Arizona verstorbene Dr. Kübler-Ross wichtige Postulate vertreten. So wandte sie sich zeitlebens gegen die aktive Sterbehilfe. In den USA baute sie Hospize auf, wo unheilbar kranke Menschen im Sterben begleitet werden. In Washington gründete sie ein Haus für todkranke Kinder. Würde und Lebensqualität sollten den Sterbenden erhalten bleiben. Geholfen wird mit Schmerztherapien und dem Eingehen auf geistige und soziale Bedürfnisse. Solche Hospize haben sich auch in Europa etabliert, allerdings in unvergleichlich geringerem Ausmass.

Die Arbeit mit Sterbenden wurde zum Lebensinhalt der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross. Eine ganze Reihe von Büchern folgte dem ersten. Zwei davon riefen heftige Kritik hervor: „Life After Death“ („Über den Tod und das Leben danach“) und ein Buch zur Aidsproblematik. Darin bezeichnete sie Aids als „apokalyptische Herausforderung der Menschheit“.

Das 1992 erschienene Buch „Life After Death“ markiert einen Wendepunkt in der Tätigkeit der Sterbeforscherin. Es geht weg von der Psychologie des Sterbens und der praktischen Sterbehilfe und taucht ein in eine esoterische Philosophie des Todes.

Das Buch basiert auf Interviews mit rund 20 000 (!) Menschen, die von ihren Nahtoderfahrungen berichten. Diese nicht auf ihre Realität prüfbaren Grenzerfahrungen von klinisch, aber nie biologisch Toten, sind für Kübler-Ross der Beweis, dass es den Tod gar nicht gibt! Der Tod sei nur der Übergang in eine andere Dimension, so wie der Schmetterling den Kokon verlasse. An dieser Überzeugung hielt die kleine, aber ruppig-zähe Schweizerin gegen alle Kritik fest. Ihre Überzeugung sei kein Glaube, sondern Wissen.

Nahtoderfahrungen sind bis heute umstritten. Sind es Bilderstürme im Gehirn, der Versuch, einen ungewöhnlichen Bewusstseinszustand zu verarbeiten? Sind es durch Sauerstoffmangel ausgelöste Halluzinationen? Sind es reale Bilder aus einer anderen Dimension? Hat sich die Seele für kurze Zeit vom Körper gelöst? Sind es verführerische Trugbilder, die zu falschen Schlüssen über das Leben nach dem Tod führen?

Der Herzspezialist Pim van Lommel beschrieb im medizinischen Fachblatt „The Lancet“ die Befragung von 344 Patienten. Sie hatten alle einen Herzstillstand erlitten und wurden kurz nach ihrer Wiederbelebung nach ihren Erfahrungen befragt. Nur gerade 18 Prozent von ihnen berichteten die klassische Version von Tunnel, Licht und ausserkörperlicher Erfahrung. Physiologische Gründe dürften demnach für die Nahtoderlebnisse wegfallen, es sei denn, 82 Prozent der Wiederbelebten hätten ihre Erlebnisse vergessen. Auch der Kardiologe Maurice S. Rawlings stellte fest, dass sich nur rund 20 Prozent der Wiederbelebten an Nahtoderfahrungen erinnern.

Dass solche Erfahrungsberichte mit mehr Distanz und nicht als die reine Wahrheit über das Leben nach dem Tod betrachtet werden sollten, belegt auch ein Bericht in „Nature“ (Bd. 419, S. 269 bis 270, 12. September 2002). Schweizer Forschern ist es gelungen, ausserkörperliche Erfahrungen bei Patienten künstlich zu provozieren und zwar durch elektrische Stimulation.

Wenig bekannt sind die Untersuchungen von Dr. Rawlings. Er schreibt, dass von den 20 Prozent derjenigen mit Nahtoderlebnissen 50 Prozent Negatives oder gar extrem Schreckliches erlebt haben. In ihren Erfahrungsberichten führt der „Tunnel“ abwärts in dunkle Höllenbereiche mit Quälgeistern und gewalttätigen Wesen.

Kübler-Ross und Moody dokumentieren hingegen keine negativen Nahtod-erlebnisse. Der Neurologe und Psychiater Stefan Koppi: „Mag sein, dass der Abstand zwischen dem Sterbeerlebnis und der Befragung der Betroffenen zu Vergessen oder Verdrängung beigetragen hat. Beide Fachleute arbeiteten als Psychiater und waren nicht an Reanimationen beteiligt.“ Rawlings allerdings befragte die Betroffenen unmittelbar nach einem erfolgreichen Wiederbelebungsversuch bzw. am Folgetag oder nur wenig später.

Dass der Tod die Konsequenz aus der Gottesablehnung wegen der Arroganz des Menschen ist (vgl. Röm. 5,12; 6,23) und dass die Neigung zur Sünde es für den Menschen unmöglich macht, Gott gefällig zu leben, hat Elisabeth Kübler-Ross nie akzeptiert. Sie lehrte eine der göttlichen Offenbarung widersprechende, an fernöstliche Religiosität angelehnte Form der Selbsterlösung: Sobald ein sterbender Mensch seine Aufgaben auf der Erde erledigt habe, werde das Sterben zu einem Übergang in eine geistige Lebensform.

Leben lernen, heisse lieben lernen. Gebetsmühlenartig wiederholte Frau Kübler-Ross in ihren Vorträgen diesen Satz. Dabei liess sie ihre Vertrautheit mit der Reinkarnation durchschimmern: „Die Arbeit mit Sterbenden hat mir auch dazu verholfen, meine eigene Identität zu finden, zu wissen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und zu wissen, dass wir eines Tages wiedergeboren werden, damit wir die Aufgaben erfüllen können, die wir in diesem Leben unfähig oder nicht willens waren zu erfüllen.“ Damit verliert tätige Liebe die Selbstlosigkeit. Nächstenliebe und Selbstliebe fallen zusammen.

In der Kübler-Ross-Biografie von Derek Gill erzählt sie von einer konkreten Reinkarnationserfahrung, bei der sie sich als junge Indianerin wiederzuerkennen meinte. Vor ihrem Haus mitten in der Prärie stand denn auch ein Totempfahl. Elisabeth Kübler-Ross hielt bis zum Schluss daran fest, dass Geister ihr gesagt hätten, sie sei in ihrem vergangenen Leben eine Indianerin gewesen.

“Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben“, steht im Hebräerbrief (9,27), „danach aber das Gericht.“ Angesichts des allen Menschen bevorstehenden Todes geht es vordringlich darum, das Leben aus Gott durch den Glauben an Christus zu erhalten – durch Umkehr, Vergebung und Hingabe.

Das kraft- und trostspendende Evangelium drang nicht bis zur Sterbeforscherin durch. Die Erlösung aufgrund der Gnade und des stellvertretenden Opfers von Jesus Christus am Kreuz, dieses Mit-ihm-Sterben und Mit-ihm-Auferstehen, bedeutete ihr nichts. Ihre Lehrer seien die Sterbenden gewesen, sagte sie. Wer wisse, dass er sinnvoll gelebt habe, müsse keine Angst vor dem Tod haben: „Lebe so, dass du nicht zurückschauen und mit Bedauern feststellen musst, dass du dein Leben verpasst hast.“ Die Frage stellt sich, woran man denn „verpasstes“ oder „nicht verpasstes“ Leben misst. Was ist „sinnvolles Leben“?

Die Schritte nach dem Tod kleidete Dr. Kübler-Ross mit dem Kokon-Schmetterling-Vergleich wieder in ein eingängiges Bild: Zuerst verlässt der Mensch seinen Körper, dann trifft er auf Engel oder Geistführer oder eine religiöse Gestalt, anschliessend durchquert er einen Tunnel oder eine Brücke und geht in Richtung eines hellen Lichtes, schliesslich wird er umgewandelt in reine geistige Energie. Auch für dieses Muster berief sie sich auf Erfahrungsberichte und Kontakte zur Geisterwelt.

Die NZZ schreibt in einem Nachruf, der Sterbeforscherin sei „ein Hang zum Esoterischen“ vorgeworfen worden. Das ist viel zu vorsichtig formuliert. Sie hatte nicht nur einen Hang dazu, Elisabeth Kübler-Ross war eine Gefangene der Geisterwelt.

Der „Stern“ schreibt: „Nachdem sie mit ihrem ersten Buch rasch berühmt geworden war, verstieg sie sich immer weiter in spirituelle Erfahrungen und Berichte darüber.“

Elisabeth Kübler-Ross: „Ich habe viele wunderbare mystische Erlebnisse gehabt, vom kosmischen Bewusstsein bis zur Begegnung mit meinen geistigen Führern, obwohl ich aus einem konservativ-protestantischen, autoritären Milieu stamme, nie ein höheres Bewusstsein angestrebt habe und dieses in früheren Zeiten auch nicht verstanden hätte. (...) Ich habe die grössten Höhepunkte erlebt, ohne jemals Drogen genommen zu haben. Ich habe das Licht gesehen, das meine Patienten erblicken, wenn sie an die Schwelle des Todes kommen, und ich war umgeben von der unglaublichen, bedingungslosen Liebe, die wir alle erleben, wenn wir uns zu dem Übergang anschicken, den wir Tod nennen.“

Das wohl entscheidendste mystische Erlebnis war die Begegnung mit dem Geist einer Frau, die zehn Monate vorher gestorben und begraben worden war. Diese „Frau Schwarz“ erschien ihr genau in jenem Moment, als sie sich entschieden hatte, die Arbeit rund um Sterben und Tod aufzugeben, und zwar wenige Augenblicke, bevor sie ihren Entschluss jemandem mitteilen konnte! Der Geist von „Frau Schwarz“ mahnte sie, die Arbeit über Sterben und Tod nicht aufzugeben: „Ihre Arbeit ist noch nicht beendet. Wir werden Ihnen helfen. Sie werden wissen, wann Sie aufhören können. Aber bitte, hören Sie damit jetzt noch nicht auf. Versprechen Sie es mir? Ihre wirkliche Arbeit hat erst begonnen.“

Elisabeth Kübler-Ross gehorchte diesem Einflüstern. Sie nahm ihren Entschluss zurück, mehr noch, von diesem Zeitpunkt an fühlte sie sich beauftragt, der Menschheit mitzuteilen, es gebe keinen Tod.

Ann Nietzke interviewte die Sterbeforscherin im September 1977. Der Artikel „The Miracle of Kübler-Ross“ erschien im Magazin „Human Behavior“. Kübler-Ross hatte von einem ersten Erlebnis berichtet, das sie ausserhalb ihres Körpers führte. Das sei 1974 gewesen, als sie einmal sehr erschöpft war. Bei dieser „Out-of-Body“-Erfahrung hätten sich eine ganze Reihe von Wesen an ihr zu schaffen gemacht. Sie sei dann nach einem zweistündigen Schlaf frisch und erholt aufgewacht.

Ab 1976 trat Kübler-Ross regelmässig mit Geistwesen in Kontakt. Lennie Kronisch berichtet, wie Kübler-Ross in einer Vorlesung folgendes erwähnte: „Letzte Nacht hatte ich Besuch von Salem, meinem ‚geistigen Führer’, und von zwei anderen geistigen Wesen, Anka und Willie. Wir waren bis drei Uhr morgens beisammen. Wir sprachen, lachten und sangen miteinander. Sie sprachen zu mir und berührten mich mit der unglaublichsten Liebe und einer unvorstellbaren Zärtlichkeit. Dies war der Höhepunkt meines Lebens.“

Sie interpretierte diese Erfahrung als vergleichbar mit dem Moment des Todes: „Der Moment des Todes ist ein ganz befreiendes, schönes Erlebnis. Man löst sich von seinem körperlichen Körper, der vielleicht im Bett liegt. Man beobachtet seinen Körper von oben ohne Angst und ohne Schmerzen und ohne Heimweh. Sterbende haben Glücksgefühle. Sie lösen sich von ihrem Körper wie ein Schmetterling aus seinem Kokon. Der Glückszustand der Transformation vom körperlichen zum körperlosen Zustand ist unbeschreiblich schön.“

Ab 1980 sprach sie in der Öffentlichkeit von ihren Geisterbegegnungen, ihren „Schutzgeistern“. Sie gab ihnen Namen: Mario, Anka, Salem, Willie. Diese würden ihr bis ins Detail sagen, was sie tun solle. „Dazu gehörte auch die Wahl ihrer Zigarettenmarke“, schreibt DPA-Journalist Helmut Räther.

“Elisabeth Kübler-Ross war überzeugt, dass sie – und andere Menschen, wenn sie es nur wollen – mystische Erfahrungen sozusagen auf Bestellung haben können“, schreibt Räther weiter. Dieses Versprechen von „Instant-Erleuchtungen“ habe denn auch zahlreiche gehetzte Grossstadtbürger angezogen und Kübler-Ross in deren Augen zur Heldin, zum Idol gemacht.

Elisabeth Kübler-Ross war überzeugt, 44 Schutzengel zu haben, mit denen sie im Geist redete. “Man spürt, dass sie da sind und spricht mit ihnen! Aber nicht über die Ohren. Man hört nur über den Geist und mit dem Herzen gut. So ist es. Das ist eine erfahrbare Realität für jeden“, sagte Dr. Kübler-Ross in einem aufschlussreichen Interview mit dem TV-Journalisten Franz Alt. Auf die Frage, ob es sich um die Geister verstorbener Menschen handelt, antwortete sie: „Nicht alle, aber die meisten. Viele sind unsere Schutzengel. Die sind immer in Kontakt mit uns.“ Selbst mit Jesus will sie in direktem Kontakt gestanden haben.

Sie vernehme die Geister und Jesus viel deutlicher als auf rein akustischem Weg. Auch Maria gehört zu ihren „Helferinnen“: „Sie kam, wenn ich sie um Hilfe bat. Sie stand immer rechts von mir. Innerhalb einer Sekunde war sie da, wenn ich sie rief.“ Für die Sterbehelferin waren die Geister Realität.

Als sie gefragt wurde, wie man zu solchen Wahrnehmungen komme, sprach die Esoterikerin aus ihr: „Erst, wenn sie eine bestimmte Stufe geistiger Entwicklung erreicht haben, haben sie solche Erlebnisse. Und je mehr sie diese Stufe entwickeln, desto mehr haben sie solche Erlebnisse.“ Dass sie dem Betrug des Spiritismus aufgesessen war, liess sie nicht gelten.

Die Heilige Schrift lehrt in Bezug auf Tod und Erlösung zwei unumstössliche Linien:

1. Der Lohn für Sünde (= gottfernes, ihn und seine Ordnungen ignorierendes Leben) ist der geistliche Tod (Röm. 6,23: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod.)

2. Ewiges Leben ist das freie Geschenk, das Gott dem Sünder unverdient gibt, wenn er an seinen Sohn glaubt (Röm. 6,23; vgl. Eph. 2,8 und 9; Röm. 6,8 bis 10).

Bei aller Ernsthaftigkeit ist die biblische Botschaft immer durchdrungen von der Liebe Gottes, die sich dem Menschen zuwendet. Jesus Christus gibt dem unsichtbaren Gott ein Gesicht. Er selbst gibt sein Leben hin, indem er die dem Menschen geltende Schuld, auf sich lädt. Als Folge ist der durch den Glauben ganz an Christus hingegebene Mensch befreit von der Macht der Sünde und erhält ewiges Leben.

Das Credo von Elisabeth Kübler-Ross wird von ihren Anhängern weitergetragen. Kübler-Ross ist ihre Lichtgestalt. Das „Konzept der bedingungslosen Liebe“ soll weiter gefördert werden, schreibt beispielsweise die Schweizer „Arbeitsgemeinschaft Elisabeth Kübler-Ross“. Früher nannten sich solche Gruppen „Shanti Nilaya“.

Wie findet man zur bedingungslosen Liebe? Auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft (www.hospiz.org) werden zwei Schritte genannt:

1. Akzeptiere die volle Verantwortung für alle deine Gefühle, Gedanken, Taten und Entscheidungen

2. Lass in einer sicheren Umgebung die negativen Emotionen los, die dich in der Vergangenheit bedrückten. So kannst du frei leben, ein glückliches Leben voll Liebe leben, in Frieden mit dir und mit den anderen.

1995 erlitt Elisabeth Kübler-Ross einen Schlaganfall. Trotz unzähliger Versuche - unter anderem mit der Hilfe von Natur- und Geistheilern - ,gesund zu werden, erholte sie sich nicht mehr. Nach weiteren Schlaganfällen blieb sie an den Rollstuhl gefesselt. „Warum werde ich nicht abgeholt?“ Fast neun Jahre lang musste sie sich mit dieser Frage, über die sie vorher Dutzende von Büchern geschrieben hatte, selbst auseinander setzen. Sie tat sich schwer, ihre letzten Jahre zu akzeptieren.

Wie verblendet vom Kontakt mit übersinnlichen Wesen die berühmte Schweizerin war, offenbart sie mit ihren Aussagen über Jesus, bzw. jenes Geistwesen, das sie für Jesus hielt. Kübler-Ross: „Ich habe ihn beschimpft, weil ich seit sechs Jahren gelähmt und folglich regungslos bin und zu leiden habe im Rollstuhl. Das finde ich ungerecht und sage es Jesus auch. Ich sage ihm manchmal Schimpf und Schande. Da lacht er nur - Jesus hat einen wunderbaren Humor. Der lachte sogar als ich ihm sagte, er sei schlimmer als Hitler, weil er mich so schrecklich leiden lässt.“

Im Interview mit Franz Alt sagte sie auf die Frage, wohin der Weg nach dem Tod führe: „Den Körper lassen Sie zurück, aber das Bewusstsein bleibt und entwickelt sich weiter. Sie sehen alle Menschen wieder, denen Sie in diesem Leben nahe standen.“ Das meine sie nicht nur, das wisse sie, weil sie „oft drüben war auf der anderen Seite. Dort ist es wunderschön“. War Elisabeth Kübler-Ross wirklich „drüben“?

Im Gespräch mit Nikodemus sagte Jesus: „Ich will dir etwas sagen: Wir reden von Dingen, die wir kennen; das, was wir bezeugen, haben wir gesehen. Wir bezeugen es, aber ihr nehmt es nicht an. Und da ihr mir nicht einmal glaubt, wenn ich über die irdischen Dinge zu euch rede, wie werdet ihr mir dann glauben können, wenn ich über die himmlischen Dinge zu euch rede? Es ist noch nie jemand in den Himmel hinaufgestiegen; der Einzige, der dort war, ist der, der aus dem Himmel herabgekommen ist – der Menschensohn“ (Joh. 3,11 bis 13). Christus ist der Einzige, der Verlässliches über Tod und Leben sagen kann.

Solange es ging, lebte Elisabeth Kübler-Ross in ihrem abgelegenen Haus in Arizona, oft tagelang alleine und mit Schmerzen. „Die Wochenenden sind am schlimmsten. Ich lebe von Wasser und Brot, weil niemand hier ist, der für mich kocht.“ Sie müsse jetzt lernen, die Langeweile zu akzeptieren. „Das ist ein beschissener Ruhestand“, sagte die geschwächte Sterbeforscherin einem „Spiegel“-Reporter, das war 1997. Die Meinung, sich selbst erlösen zu müssen, hielt sie gefangen.

Im Sommer 2001 feierte sie ihren 75. Geburtstag. In jener Zeit hatte sie bereits ihren sechsten Schlaganfall erlebt und sie äusserte den Wunsch zu sterben immer deutlicher und ungeduldiger. Damals entstand auch das aufschlussreiche Interview, das der esoterisch-denkende TV-Journalist Franz Alt mit Frau Kübler-Ross führte (siehe unter: Sonnenseite).

Nachdem sie im Herbst 2003 lebensgefährlich gestürzt war, musste sie ihre letzten Monate in einem Pflegeheim verbringen. In einem Brief an Freunde in der Schweiz notierte sie: „(...) ich bin auch wieder besseren Mutes und glücklich in meinem neuen Heim. Ich brauche jetzt regelmässige Pflege und, obwohl ich immer noch keine Befürworterin von Pflegeheimen bin, hat Kenneth für mich das bestmögliche gefunden (...)“

In einem ihrer letzten Interviews soll sie den Tod willkommen geheissen und Gott einen „verdammten Zauderer“ genannt haben, der sie nicht sterben lasse. Im Zustand der Hilflosigkeit sehnte sie sich nach dem Tod.

Viele ihrer Anhänger konnten nicht begreifen, warum ausgerechnet die mit dem Sterben so vertraute Kübler-Ross einen derart langen Leidensweg gehen musste.

Wie kalt und trostlos die Erklärung für den Sterbeprozess von Elisabeth Kübler-Ross im Kontext ihrer eigenen Lehre klingt, zeigt der Kommentar eines ihrer Schüler auf. Im Nachruf auf seine einstige Lehrerin schreibt Bernard Jakoby: „Jeder von uns muss seine eigenen unerledigten Dinge aufarbeiten – auf seine Weise.“

“Wenn ich sterbe, tanze ich auf den Galaxien“, soll Elisabeth Kübler-Ross gegen Ende ihres Lebens gesagt haben. Ein Bild, das ganz ihrer Überzeugung, doch nicht der Wahrheit entspricht. Die Bibel nennt den biologischen Tod, den „ersten“ Tod. Weit folgenreicher ist der geistliche, der „zweite“ Tod. Er bedeutet die unwiderrufliche Trennung von Gott, was für den Menschen die Hölle bedeutet. Während der erste Tod unausweichlich ist, ist der zweite Tod unsere Entscheidung.

Elisabeth Kübler-Ross weist grosse Verdienste im Bereich des Umgangs mit Sterbenden auf. Ihr Anliegen, herauszufinden, was Sterbende wirklich brauchen, und dann ihre Zähigkeit, mit der sie um eine bessere Betreuung für Sterbende kämpfte, verdienen grosse Anerkennung. Erst mit der Behauptung, es gebe keinen Tod und keinen strafenden Gott, folgte sie einer fatalen Irrlehre. In ihren Büchern und Seminaren verbreitete sie eine Lüge über den Tod. Angst und Schuldgefühle stellte sie nicht in einen Bezug zu Gott. Die Befreiung davon lag für sie in den Händen des Menschen selbst. Sie, die Frau mit einem enorm starken Willen, erkannte die Gnadenlosigkeit nicht, die sie mit ihrer Botschaft den Hilflosen, Schwachen und nach Erlösung lechzenden Menschen vermittelte. Sie erklärte den Tod kurzerhand für nichtexistent, doch seine Macht vermochte sie damit nicht zu brechen.

Ihr eigenes, langes Warten auf den Tod war eine Gnadenzeit. Befreit vom Arbeitseifer, konnte sie sich mit sich selbst und dem eigenen Sterben auseinander setzen. Die Jahre der Einsamkeit gaben ihr die Chance, sich abzuwenden von den diffusen esoterischen Visionen und den Geistern, die sie ja doch im Stich liessen. Sie erhielt am Ende ihres Lebens noch einmal die Zeit und die Möglichkeit, sich ins Licht des Einen zu stellen, der die Macht des Todes gebrochen hat und als Erster wahrhaft aus dem Tod auferstanden ist.

Quellen:
Elisabeth Kübler-Ross: „Über den Tod und das Leben danach“, Melsbach, 1986
Derek Gill: „Elisabeth Kübler-Ross. Wie sie wurde, wer sie ist“, Kreuz Verlag, Stuttgart, 1988
Elisabeth Kübler-Ross: Vortrag über die Sterbeforschung gehalten im Februar 1986 in CH-Heiden
Klaus R. Berger: „Die Todeslüge“, „factum“ 6/1990
„Der Spiegel“, Nr. 39, 1997
Cathy Lynn Grossmann: „Kübler-Ross finds final comfort in ‚Dying’“; Usatoday
Der Tagesspiegel online, 25.8.2004, dpa: Tagesspiegel
Harald Zaun: „Auf wissenschaftlicher Spurensuche nach dem Jenseits“, Telepolis, 3.9.2003
Franz Alt: „Es gibt auch eine spirituelle Akustik“, Interview vom 16. Juli 2001 unter:
Sonnenseite.de
Fritz Imhof/Markus Becker: „Wie echt sind Nahtod-Erlebnisse?“, livenet
Helmut Räther, DPA: „Sterben – das ist, als würde man bald in die Ferien fahren“, „Der Stern“
Bernard Jakoby: „Ein Nachruf“, sterbeforschung.de
Isabelle Imhof: „Elisabeth Kübler-Ross gestorben“, NZZ Online, 26.8.2004
Stefan Koppi: Und nach dem Tod?, „Reflexionen“
Rolf Höneisen: „Das lange Warten auf den Tod“, „factum“ 11/12 1997
www.hospiz.org
Homepage der Arbeitsgemeinschaft Elisabeth Kübler-Ross (vorm. Shanti Nilaya)
elisabethkublerross.com

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