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Göbekli Tepe - Adam aus Kurdistan
Wollte der «Spiegel» die Bibel bestätigen? Aufgrund des Leitartikels «Die Suche nach dem Garten Eden» hätte man dies meinen können. Ein zweiter Blick zeigt allerdings etwas anderes.
Eugen Schmid
Steuert das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" neuerdings eine Kehrtwende in der Beurteilung des Christentums an? Bisher waren „Spiegel“-Leser doch eher eine vehemente Kritik an der Kirche, der Bibel und allem Spirituellen gegenüber gewohnt. Nun prangte aber auf der Titelseite des "Spiegels" Nr. 23/2006 die Schlagzeile "Die Suche nach dem Garten Eden – Archäologen auf den Spuren des biblischen Paradieses".
Der Artikel im Innenteil ist überschrieben mit "Wegweiser ins Paradies". Im Vorspann steht: "Der Verdacht: Adam gab es wirklich, im Gleichnis vom Sündenfall steckt ein wahrer Kern." Die ersten Kapitel der Bibel gehörten zu den "wirkmächtigsten Abschnitten des Alten Testaments, oft gerühmt wegen ihrer Klarheit, Tiefe und Schönheit", schwärmt der Spiegel-Redakteur. Beginnt der "Spiegel" die Bibel mit wissenschaftlichen Aussagen zu belegen?
Redakteur Matthias Schulz beschreibt im genannten Artikel, was ein archäologisches Team um Klaus Schmidt vom Archäologischen Institut in Berlin in der Osttürkei ausgegraben hat. Es geht um die Tempelanlage von Göbekli Tepe (dt. Nabelburg), die als das älteste Heiligtum der Welt gilt und vor 11000 Jahren errichtet worden sein soll. Vier der Tempel sind ausgegraben, weitere sechzehn wurden mit Magnetometern erfasst. Steinpfeiler ragen empor, verziert mit Spinnen, Löwen und Hundertfüssen. Im Schutt liegen noch die Statuen von Wildschweinen und grossen Menschenköpfen.
In dieser Zeit war der westliche Teil der mesopotamischen Tiefebene noch eine fruchtbare Gegend mit grossen Herdenbeständen an Auerochsen, die bis zu tausend Kilogramm wogen, Wildschweinen und Gazellen. Tonnen von Fleisch und Fellen wurden über Monate in grossen Fleischhäusern gelagert. Auf Grund der Auswertung der verschiedensten Funde wird auf die Lebens- und Essgewohnheiten der Bewohner von Göbekli geschlossen.
Überraschend wurde nun festgestellt, dass die Menschen dort bereits Getreide als Nahrungsmittel verwerteten. Anfangs seien grosse Felder mit Wildgetreide abgeerntet worden. Mit Lärm schlagenden Rasseln hätten die Einwohner die Tiere von den Feldern ferngehalten. Schulz resümiert: "Dieses neolithische Land des Lächelns ähnelt verblüffend der Heimat von Adam und Eva." Dem Steinzeitvolk sei das Getreide ohne viel Mühe "in den Mund gewachsen". Im "Gottespark" habe zwar durchaus gearbeitet werden müssen, "allerdings locker".
Als Bestätigung für diese Lebensform wird Genesis 2,15 zitiert, denn der Herr setzte den Menschen in den Garten Eden, "dass er ihn bewahre und bebaue". Diese Art der Bewirtschaftung treffe auf die Getreidepioniere von Göbekli Tepe zu. Und so lautet die daraus abgeleitete Frage: "Ist das Gleichnis in der Bibel eine verschwommene Kunde aus der ‹goldenen Epoche› der Steinzeit?" Aus biblischer Sicht ist allerdings die zeitliche Einteilung – Nomaden gleich paradiesisch; Ackerbau gleich nachparadiesisch – unhaltbar. Positiv ist immerhin, dass an eine Zäsur gedacht wird.
Lesen Sie den ganzen Artikel in FACTUM 7/2006.
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