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Die ältesten Bibelzitate
Seit 20 Jahren streiten die Gelehrten, ob die Kuntillet Adschrud-Inschriften wirklich als Beleg einer Religionsentwicklung zu werten sind oder ob sie nicht vielmehr die uns bereits aus dem AT bekannte Entwicklungsgeschichte demonstrieren: Bald nachdem Einzug in das verheissene Land Kanaan haben die Israeliten die Verehrung des wahrenGottes Jahwe verlassen und haben sich andere Götter angeschafft und an dessen Seite oder gar Stelle gesetzt. Die Sensation um diese Aufsehen erregenden Zeilen, in denen «Jahwe und seine Aschera» erwähnt werden, geschah allerdings auf Kosten der anderen, nicht weniger wichtigen Worte der Inschriften von KAgr, die dort als bislang älteste Zitatfragmente des Alten Testamentes auf 2800 Jahre alten Tonscherben auftauchten.
von Martin Heide
Mitte der 70er Jahre führte Zeev Meshel vom «Institute of Archaeology» der Universität Tel Aviv Ausgrabungen im östlichen Sinai-Gebiet durch. Unter seiner Leitung wurde in Kuntillet Adschrud (meist geschrieben Kuntillet ‘Ajrud, abgekürzt KAgr, heutiger Name Horvat Teiman), ca. 60 km nordwestlich von Elat am Roten Meer (Abb. 1), eine alte Karawanserei ausgegraben (Abb. 2). Dabei stiess Zeev Meshel auf einige Krugscherben, die nicht nur mit althebräischen Schriftzeichen versehen waren, sondern auch merkwürdige, an Karikaturen erinnernde Graphiken aufwiesen.
Sobald Meshel die mit einer eigenartigen roten Tinte auf den Ton aufgetragene Schrift entziffert und einen ersten Bericht der Grabung verfasst hatte, galten die Funde von Kuntillet Adschrud als Sensation. Das Besondere an diesen etwa 2800 Jahre alten Tonscherben war, dass sie nicht nur die ältesten ausserbiblischen Belege für den alttestamentlichen Gottesnamen «Jahwe» enthielten, sondern auch den wohl bekannten Priestersegen «Der Herr segne dich und behüte dich ...» (4. Mose 6,24).
Diese Worte gerieten jedoch schnell in den Schatten zwei anderer, ziemlich spektakulärer Zeilen aus KAgr. Diese, zu den ältesten Funden der hebräischen Epigraphik zählenden Inschriften, schienen nämlich auch zu belegen, dass der wahre Gott des AT noch im 9. Jh. v. Chr. an der Seite der Göttin «Aschera» verehrt wurde. Ausgehend von einem evolutionstheoretischen Ansatz, glaubten hier einige Wissenschaftler endlich einen greifbaren Hinweis dafür gefunden zu haben, dass der jüdische Monotheismus nicht etwa von Gott an Mose und damit an das jüdische Volk offenbart worden sei, sondern sich allmählich aus einem ursprünglichen Polytheismus, in dem gewissermassen Jahwe und Aschera gleichberechtigt nebeneinander standen, zum späteren Monotheismus (begünstigt durch die Reformen Hiskias und Josias) entwickelt habe.
Aber diese Deutung blieb nicht ohne Widerspruch. Seit etwa 20 Jahren wird in der internationalen Gelehrtenwelt darum gestritten, ob die Kuntillet Adschrud-Inschriften (KAgr) wirklich als Beleg einer Religionsentwicklung zu werten sind oder ob sie nicht vielmehr die uns bereits aus dem AT bekannte Entwicklungsgeschichte demonstrieren: Bald nach dem Einzug in das verheissene Land Kanaan haben die Israeliten die Verehrung des wahren Gottes Jahwe verlassen und haben sich andere Götter angeschafft und an dessen Seite oder gar Stelle gesetzt.
Die Sensation um diese Aufsehen erregenden Zeilen, in denen «Jahwe und seine Aschera» erwähnt wurden, geschah allerdings auf Kosten der anderen, nicht weniger wichtigen Worte der Inschriften von KAgr, die dort als bislang älteste Zitatfragmente des Alten Testamentes auftauchten! - Das Printmagazin "factum" veröffentlichte eine umfangreiche Untersuchung über die mit roter Tinte beschriebenen Tonscherben von Kuntillet Adschrud.
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