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Immer schön dem Schnabel nach

Vögel verlassen sich auf langen Zugrouten wesentlich auf ihren Geruchssinn und weniger auf Sonnenstand und Magnetfeld.

Rolf Höneisen

Wie sich Vögel auf ihren Zugrouten orientieren, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wie kommt ein Vogel zu seiner «inneren Landkarte»? Wie findet er zurück in sein Nest vom Vorjahr? Erwachsene Zugvögel sind offensichtlich in der Lage, sich an Routen zu erinnern. Selbst bei einem Flug über unbekanntem Terrain finden sie ihren Weg.

Forscher um Richard Holland und Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Konstanz haben nun erstmals kleine Singvögel in ihrer natürlichen Umgebung untersucht. In Princeton (New Jersey) haben sie während des Herbstzuges 24 erwachsene und 24 juvenile Katzendrosseln (Dumatella carolinensis) gefangen. Anschliessend manipulierten die Forscher in beiden Gruppen bei jeweils acht Vögeln den Geruchssinn, indem sie die Nasenschleimhäute der Vögel mit einer Salz-Lösung spülten. Die Vögel konnten daraufhin für zwei Wochen nicht mehr richtig riechen (ihre Riechzellen wurden jedoch nicht permanent geschädigt). Bei weiteren acht Vögeln störten die Forscher den Magnetsinn mittels starker magnetischer Impulse. Bei einer dritten Gruppe blieben die Tiere ihrer Wahrnehmung unbeeinträchtigt.Parallel dazu wurden in Illinois – in der Mitte des amerikanischen Kontinents – 19 erwachsene Katzendrosseln gefangen, über Nacht 1100 Kilometer Richtung Osten nach New Jersey gebracht und dort ebenso in die drei Gruppen aufgeteilt. Anschliessend befestigten die Wissenschaftler bei allen Vögeln einen 0,9 Gramm leichten Radiotransmitter auf dem Rücken und liessen alle sofort frei. Die Ornithologen konnten nun den Zug der Vögel vom Boden und von der Luft aus beobachten.

Üblicherweise fliegen Katzendrosseln bei ihrem Herbstzug durch New Jersey in Richtung Südwesten westlich an der Bucht von Delaware entlang. Sie meiden die direkte Südrichtung wegen der breiten Delaware Bay.

Die erwachsenen nicht-riechenden Vögel wählten jedoch eine andere Flugroute als die erfahrene Kontrollgruppe und diejenigen Tiere, deren Magnetsinn gestört war. Wegen des beeinträchtigten Geruchssinns waren die Vögel nicht mehr in der Lage, sich zu orientieren, und flogen nach Süden. Sie mussten, wie die Jungvögel, auf eine endogene Peilung zurückgreifen. Auch die aus Illinois stammenden Tiere ohne Geruchssinn flogen in südliche Richtung, während die Kontrollgruppe versuchte, den Ortswechsel durch Flug gen Südwesten beziehungsweise Westen zu kompensieren.

Die Manipulation des Magnetsinns wirkte sich dagegen nicht auf die Orientierung aus, weder für die erwachsenen noch für die jungen Vögel. Die Ergebnisse erlauben erstmals den Schluss, dass der Geruchssinn ein wesentlicher Faktor einer Navigationskarte ist.

Originalveröffentlichung: R. A. Holland, K. Thorup, A. Gagliardo, I. A. Bisson, E. Knecht, D. Mizrahi and M. Wikelski: Testing the role of sensory systems in the migratory heading of a songbird, The Journal of Experimental Biology 2009 212, 4065–4071, 27. November 2009

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