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Das Stanley-Miller-Experiment

Wir wird aus unbelebter Materie Leben? Sämtliche Experimente in dieser Richtung hatten bis anhin keinen Erfolg - auch das berühmte Stanley-Miller-Experiment nicht.

Stephen Caesar

Evolutionsvertreter halten sich an die Theorie, dass in der Frühgeschichte der Erde aus unbelebter Materie plötzlich Leben entsprungen sei. Dies geschah angeblich durch einen Blitzstrahl, der in die sog. «Ursuppe» schlug. Mit «präbiotischer Ursuppe» werden die Ozeane der Urzeit bezeichnet. Darin habe es, so die Theorie weiter, von chemischen Verbindungen gewimmelt, aus denen sich schliesslich die Bausteine des Lebens gebildet hätten.

Dieses spekulative Szenario wird jedoch ständig widerlegt und durch neue Szenarien ersetzt, denen von neuem widersprochen wird. Antonio Lazcano (National Autonomous University of Mexico), Präsident der «International Society for the Study of the Origins of Life», äusserte sich so: «... jene, die versuchen, den Ursprung des Lebens zu entdecken und die frühesten Stadien der biologischen Entwicklung studieren, haben eine mühsame Suche vor sich: Immer wieder passiert es, dass sie eine Theorie oder eine Erklärung, von der sie annehmen, sie sei gut fundiert, im Lichte neuer Erkenntnisse fallen lassen oder neu durchdenken müssen» (Lazcano 2003: 452).

Das berühmteste dieser Szenarien ist das Experiment Stanley Millers, durchgeführt an der Universität von Chicago. In den fünfziger Jahren braute er eine Mischung aus jenen Chemikalien, von denen man meinte, sie seien in der Ursuppe zu finden gewesen, aus der theoretisch Leben entstanden sei. Stanley imitierte Blitze, indem er elektrische Entladungen durch das Gemisch leitete, und stellte fest, dass sich in den Chemikalien tatsächlich Aminosäuren bildeten.

Diese Entdeckung wurde damals – und oft auch heutzutage noch – von den Evolutionisten lauthals als Beweis für die Entstehung des Lebens verkündet. «Aber heutzutage», betont Prof. Lazcano, «bezweifeln Geowissenschaftler zunehmend, dass die Beschaffenheit des präbiotischen Milieus wirklich so reduzierend war, wie Miller und andere es annahmen (ebd.).»
In der Chemie heisst «reduzierend»1 ohne freien Sauerstoff (O2), mit anderen Worten: Die Bedingungen, die Miller in seinem Labor schuf, entsprachen nicht den tatsächlichen Bedingungen der frühen Erde.

Millers Experiment wurde durch andere hypothetische Szenarien ersetzt. Eines von ihnen beruht auf der Tatsache, dass RNS katalytische Eigenschaften hat (Eigenschaften, die Reaktionen beschleunigen, die sonst sehr langsam ablaufen würden). Evolutionisten glauben, dass sich die RNS zufällig aus verschiedenen Verbindungen, die in der präbiotischen Ursuppe trieben, bildete; – einmal entstanden, überbrückte die RNS die Lücke zwischen den ersten Proteinen und den ersten DNS-Fasern.

Doch auch hier sind neue Erkenntnisse dazugekommen. Prof. Lazcano: «Inzwischen wird allgemein angenommen, dass RNS ein labiles Polymer ist. Es ist unwahrscheinlich, dass es eine präbiotische Synthese und Kumulierung durchgemacht hat.» (ebd.) Mit andern Worten, RNS ist zu labil, als dass es sich aus den verschiedenen Verbindungen, die in der präbiotischen
Suppe schwammen, hätte selbst bilden können.

Einige Evolutionsvertreter haben behauptet, es gebe fossile Beweise für die ersten einzelligen Lebensformen der Erd-Frühzeit. Sollten diese Entdeckungen in der Tat versteinerte Lebensformen zeigen, würde dies dem Darwinismus riesigen Aufschwung geben. Doch auch hier hat Lazcano einen Einwand: «Einige Autoren widersprechen der Behauptung, die von Befürwortern dieser Theorie beschriebenen Strukturen und chemischen Signaturen
seien biologischen Ursprungs.» (ebd.)

Aufgrund einer anderen Theorie wird behauptet, die ersten Lebensformen seien sehr ähnlich den modernen Extremophilen, jenen erst kürzlich entdeckten einzelligen Organismen, die unter extrem kalten oder brühend heissen Bedingungen existieren können. Vertreter dieser Theorie meinen, die Fähigkeit der Wissenschaftler, das Erbgut lebender Organismen zu entschlüsseln, erlaube ihnen diese Aussage. «Aber», warnt Lazcano, «als immer mehr vollständig entschlüsselte Zellgenome verfügbar wurden, hat die Analyse gezeigt, dass sich eine grosse Menge horizontaler Transfers2 ereigneten, was viele zur Frage brachte, ob sich die netzartige Entwicklungsgeschichte der frühen Zell-Evolution überhaupt je entwirren lasse.» (ebd.)

Lazcano bezieht sich auf die Entdeckung, dass zwischen unterschiedlichen Spezies primitiver Lebensformen DNS-Fasern übergeben werden. Folglich wird das darwinistische Bild des evolutionären Baumes mit seinen aus einem einzelligen Urorganismus entspringenden, auswärts- und aufwärts treibenden Ästen widerlegt. Stattdessen bilden die Spezies des Lebens auf der Erde ein extrem komplexes Netz mit neuen Arten, die nicht entstanden sind durch darwinistische Evolution, sondern durch horizontalen (und manchmal seitlichen) Transfer
von Genen von einer Art zu einer andern. Es ist folglich unmöglich, mittels entschlüsselten Genomen verschiedener Spezies die angeblich evolutionäre Geschichte des Lebens zu einem
einzigen gemeinsamen Urahn zurückzuverfolgen. Übersetzung: Arnold Fröhlich

1 Das Gegenteil von «reduzierend» ist «oxydierend».
2 Horizontaler Gen-Transfer bedeutet Übertragung von Genen oder genetischem Material direkt von einem Organismus zu einem anderen. Unter vertikalem Gen-Transfer versteht man sexuelle Reproduktion von Eltern zu Nachkommen.


Quelle: Lazcano, A. 2003. The Never-Ending Story. American Scientist 91, Nr. 5

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