Evolutionsmechanismen als Schöpfungsmethode?
Warum sich die Evolutionsmechanismen nicht mit den biblischen Kennzeichnungen des Schöpfungshandelns Gottes harmonisieren lassen.
Reinhard Junker
Die Vorstellung von Evolution als Vorgang der Schöpfung ist untrennbar verbunden mit der Frage der Schöpfungsmethode. Evolutionäres Erschaffen schliesst ein, dass die Evolutionsmechanismen die Art und Weise darstellen, wie Gott die Lebewesen erschafft. Es mag sein, dass diese Mechanismen keine alleinige Erklärung der Entstehung von Neuem in der Evolution bereitstellen, dennoch gehören sie in Konzepten einer theistischen Evolution zu den Schöpfungsmechanismen dazu.
Die Mutations-Selektions-Methode einer als Schöpfung gedeuteten Evolution wäre eine höchst ineffiziente und ungemein fragwürdige, ja paradoxe «Schöpfungsmethode». Die Erschaffung des Menschen, aber auch der anderen Geschöpfe würde nämlich auf einem ungeheuren Ausschuss basieren – einem Ausschuss von weniger angepassten Individuen und von aussterbenden Arten. Denn zum Selektionsprinzip gehört die Überproduktion von Nachkommen und eine Auslese der am besten Angepassten auf Kosten der weniger gut Angepassten. Schöpfung durch Evolution heisst, dass Gott sich des Selektionsvorgangs (Auslese) bedient hätte, um die Arten – auch den Menschen – zu erschaffen.
Auch wenn die Selektionstheorie in der Biologie nicht das «Recht des Stärkeren» bedeutet, so folgt aus ihr doch, dass nur auf Kosten des Todes ungezählter Individuen und Arten (Aussterben) eine allmähliche Höherentwicklung erfolgte. Ohne diesen zahlenmässig weit überwiegenden «Ausschuss» wäre eine Evolution höher organisierter Organismen nicht abgelaufen. Auch der Mensch wäre dann nicht entstanden. Wird Gott als souveräner Schöpfer – und das heisst in der Sichtweise einer theistischen Evolution als Lenker des evolutionären Prozesses – bezeugt, dann ist er natürlich auch der Lenker der zu über 99 Prozent schädlichen Mutationen. Warum – so muss man dann fragen – arbeitet Gott nicht nur mit den evolutionsfördernden Mutationen?
Ein durch Evolution schaffender Gott hätte sich also einer Methode bedient, die höchst ineffizient und ausgesprochen stümperhaft wäre. Welcher Gott stünde hinter einer solchen Schöpfungsmethode durch Evolution? Wäre die stammesgeschichtliche Evolution die Schöpfungsmethode Gottes, hiesse das beispielsweise, dass der Schöpfer auf der frühen Erde eine «Ursuppe» während Hunderten von Millionen Jahren existieren liess, um ein erstes Bakterium zu erschaffen, oder dass er Mord und Kannibalismus benutzte, um affenähnliche Wesen in Menschen zu verwandeln. Und so kann man viele weitere Beispiele anfügen.
Lesen Sie den ganzen Artikel in der Printausgabe von FACTUM 6/2006. Mehr zum Thema finden Sie auf den Webseiten von genesisnet.
|