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95 Thesen gegen die Evolution

Mit seinem Thesenanschlag löste Martin Luther die Reformation aus. 95 Thesen gegen die Evolution sollen eine ähnliche Umwälzung in der Ursprungsfrage bewirken.

Rolf Höneisen


Am 31. Oktober 1517 nagelte Martin Luther 95 Thesen ans Tor der Schlosskirche zu Wittenberg. Damit löste er die Reformation aus, gegen die Übermacht des kirchlichen Klerus. Die Situation sei ähnlich wie im 16. Jahrhundert, schreiben die Mitarbeiter des Vereins ProGenesis. Nur eine Revolution könne zu einem Paradigmawechsel in der Ursprungsfrage führen. Und so wie Martin Luther einst mit seinen 95 ­Thesen eine Grundsatzdiskussion über die damalige Kirchenpraxis entfachte, sollen 95 Thesen gegen die Evolution das naturalistische Weltbild ins Wanken bringen.

«Wir wünschen uns eine vergleichbare Wirkung durch die Veröffentlichung unserer Thesen», verrät Gian-Luca Carigiet von ProGenesis. Er kritisiert, dass die Evolutions- und die Urknalltheorie heute als wissenschaftlich hieb- und stichfest gelehrt werden. Das sei unredlich, weil diese Erklärungsmodelle «grundlegende, nicht bewiesene und nicht beweisbare Extrapolationen in ferne Vergangenheit enthalten». Weltanschauliche Annahmen würden zu wissenschaftlichen Dogmen erhoben.

Seit Darwins Veröffentlichung «Von der Entstehung der Arten» im Jahr 1859 bis heute seien «unzählige Fakten bekannt geworden, die ganz klar gegen die Evolutionstheorie sprechen». Trotzdem habe sich der Glaube an Evolution, Urknall und eine viele Millionen Jahre alte Erde tief in das Bewusstsein der modernen Gesellschaft eingeprägt.

Für Carigiet hat die Evolutionstheorie längst «fundamentalistischen Charakter» angenommen. In keinem anderen Wissenschaftsbereich würden kritische Stimmen so unsachlich und vehement angegriffen wie auf diesem Gebiet. Es brauche ein «gewaltiges Umdenken», um in der Ursprungsfrage zu einem freieren Umgang mit wissenschaftlichen Daten zurückzufinden.

Den Anstoss dazu soll nun ein Buch mit 95 Thesen gegen die Evolution geben. Diese behandeln Themen aus den Bereichen Biologie, Geologie/Paläontologie, Chemische Evolution, Radiometrie/Geophysik, Kosmologie und Urknalltheorie, Philosophie, Informationstheorie sowie Mensch und Kultur.

Jede der in einem Satz formulierten Thesen wird jeweils in Kurzform sowie einem detaillierteren Text beschrieben. Dazu kommt eine Internetadresse zu wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema oder ein Referenzhinweis auf eine Publikation. Die 95 Thesen werden in Buchform und auf einer Webseite unter der Adresse www. 0095.info/de veröffentlicht und sollen in ­möglichst viele Sprachen übersetzt werden.

Die Stärke dieses Konzepts ist augenscheinlich: In geraffter, prägnanter und gesammelter Form werden evolutionskritische Thesen postuliert, welche sich  zum Teil auf ältere, aber auch auf neueste wissenschaftliche Arbeiten stützen.

Am 150. Jahrestag der Veröffentlichung von Darwins Buch «Origin of Species», dem 24. November, werden die 95 Thesen der Öffentlichkeit vorgestellt. Und so lautet These 1 gegen die Evolution: «Die Veränderung von Lebewesen über die Artgrenze hinaus (Makroevolution) durch die Bildung neuartiger Organe oder Strukturen wurde noch nie beobachtet und ist absolut unbelegt.»

ProGenesis: 95 Thesen gegen die Evolution. Wissenschaftliche Kritik am naturalistischen Weltbild. CLV, 2009. Das Buch erscheint im Oktober.

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