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Darwin traf den Geist der Zeit

Im Jahr 1871 schrieb Charles Darwin (1809–1882) in “The Descent of Man” stolz, er habe dazu beigetragen, “das Dogma von den separaten Schöpfungsakten umzustossen”. Tatsächlich brachte seine Arbeit den Durchbruch des Evolutionismus und Darwinismus in der Biologie. Neu war seine Idee allerdings nicht.

Die Wurzeln evolutionistischer Vorstellungen liegen in vorchristlicher Philosophie und Religion. Im Laufe von Generationen wandelten sich zwar die Vorstellungen über den Ursprung und die Geschichte der Lebewesen. Und der Schöpfungsgedanke verlor in der Neuzeit mehr und mehr an Einfluss. Entwicklungsvorstellungen nahmen immer mehr Raum ein. Was Darwins Wirken zum Durchbruch verhalf, war der Umstand, dass er als Erster die rein philosophische Ebene verliess und Interpretationen von Naturbeobachtungen zur Stützung seiner Theorie vorlegte.

Dass Darwins Thesen Mitte des 19. Jahrhunderts so rasch aufgenommen wurden, lag mit am damals herrschenden Zeitgeist. Die Erklärung für einen Lebensursprung ohne Gott passte in ein Denkklima, in dem alles durch natürliche Vorgänge erklärt werden wollte. Deshalb ist die Behauptung falsch, die naturwissenschaftlichen Daten hätten zwingend zur Evolutionslehre geführt. Unrichtig ist auch die Auffassung, Darwins Beobachtungen hätten die Schöpfungslehre samt und sonders widerlegt. Umgestossen hat die Evolutionstheorie viele, aber beileibe nicht alle Ursprungsmodelle.

“Die blossen Daten können nicht die Annahme einer bestimmten Ursprungsvorstellung erzwingen. Sie gestatten die Bildung verschiedener Theorien, die sich im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess bewähren müssen”, schreiben Siegfried Scherer und Reinhard Junker, welche in ihrem Biologielehrbuch die Wissenschafts- und Erkenntnistheorie genau nehmen (“Evolution. Ein kritisches Lehrbuch. Weyel Verlag, 1998).

Sie betonen, dass wissenschaftliche Hypothesen und Theorien auf Daten basierten, die durch Beobachtungen und Experimente gewonnen wurden. Sie könnten niemals als “absolut wahr” gelten.

Hingegen erlauben die Beobachtungen und Experimente die Bildung von Theorien. So betrachtet sind Evolutions- und Schöpfungsanschauungen gleichberechtigt. Beide beruhen auf philosophischen oder religiösen Voraussetzungen und stellen Bezüge zu objektiven Daten her. (rh.)

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