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Die überhitzte Prognose

Wird es nun wärmer oder kälter? Ein kritischer Blick auf Fakten, Meinungen, Politik und die öffentliche Moral im Zusammenhang mit der Klimafrage.

Thomas Lachenmeier

«In den kommenden Jahrzehnten wird es kälter» – mit dieser überraschenden Aussage gingen Wissenschaftler, die bislang eine von Menschen verursachte Erwärmung postulierten, an die Öffentlichkeit. Der überraschende Meinungsumschwung von einigen der führenden Klimaforscher stellt die Seriosität langfristiger Klimaprognosen in Frage. Ein kritischer Blick auf Fakten, veröffentlichte Meinung, Politik und öffentliche Moral.

Nicht nur das Klima ist für manche Überraschung gut, auch die Klimaforschung. Nachdem die Meteorologen des Weltklimarates (IPCC: Intergovernmental Panel on Climate Change) die ganze Welt von einer Klimakatastrophe überzeugt haben, die in kürzester Zeit mit apokalyptischer Wucht über uns hereinbrechen werde, ja sogar bereits begonnen habe, so verblüfften einige dieser Experten Anfang Mai mit einer anderen Aussage: Es wird kälter, die Erderwärmung ist fürs Erste auf Eis gelegt.

Es war Prof. Mojib Latif, der prominenteste Klimaforscher Deutschlands und einer der Wortführer einer nahenden Klimakatastrophe, der jetzt plötzlich andere Töne anschlug: Anfang Mai publizierte er in der Wissenschaftszeitschrift «Nature» neueste Klimamodelle. Natürliche Schwankungen der Temperatur des Golfstromes und deren Auswirkung auf das Weltklima wurden jetzt besser berücksichtigt. Diesen Studien zufolge wird sich das Klima in Europa in den kommenden ein- bis eineinhalb Jahrzehnten nicht erwärmen, sondern abkühlen. Auch im Nordatlantik und in Nordamerika soll es kälter werden.

Zu diesen Studien scheint es zu passen, dass die erdnahe Temperatur in den vergangenen zehn Jahren konstant blieb und dass der Winter 2007/2008 auf der nördlichen Halbkugel als der kälteste seit Menschengedenken gilt. Ebenso weisen Satellitenaufnahmen von antarktischem Meereis in diese Richtung: Es hat die grösste Ausdehnung seit Beginn der Aufzeichnung. Darauf hatte das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hingewiesen, das die «Polarstern»-Expedition leitet. Es hatte auch darüber berichtet, dass die Temperatur des Tiefseewassers der Antarktis kälter wird (factum 4/08, S. 37).

Noch im vergangenen Jahr war Prof. Mojib Latif an der Veröffentlichung des Katastrophenberichtes des Weltklimarates (IPCC) beteiligt, demzufolge es in den kommenden hundert Jahren in Europa fünf Grad wärmer werde, der Mittelmeerraum versteppen und Küstenlandschaften im Wasser versinken werden.

Phil Jones, der Chef-Klimaforscher der University of Anglia, und sein Hadley-Institut in Grossbritannien, welches einer der beiden wichtigsten Lieferanten von Temperaturdaten für die IPCC-Reporte ist, teilt diese Einschätzung. Er sagt voraus, das Jahr 2008 werde das kälteste des Jahrzehnts werden. Im Januar 2007, dem Jahr des aufsehenerregenden Klimaberichts des IPCC, hatte er für 2007 einen neuen Hitzerekord prophezeit, lag mit dieser Aussage allerdings falsch.

Lesen Sie den ganzen Beitrag in factum 5/2008.

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