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Alarm um Afrikas schwindende Seen
Ein neuer Atlas macht die dramatische Zerstörung afrikanischer Seen sichtbar. Der Vergleich von Satellitenbildern führt die schleichende Katastrophe vor Augen.
(factum/4. Oktober 2005/fa.) - Nach Schätzungen des Uno-Umweltschutzprogramms (UNEP) gibt es in Afrika rund 680 Seen mit einem Wasservolumen von etwa 30000 Kubikkilometern. Das ist das weltweit grösste Wasservolumen aller Kontinente. UNEP-Direktor Klaus Töpfer schätzt den Wert des Wassers auf 37 Mrd. Dollar.
Afrikas Seen sind nicht nur existentiell wichtige Reservoirs für Trinkwasser, sondern auch Nahrungsquelle. Nach Angaben der UNEP kann die Armut nur bekämpft werden, wenn das ökologische Gleichgewicht der Seen bestehen bleibt.
Die Erhaltung der Seen muss Länder übergreifend stattfinden, meinten die UNEP-Experten im Rahmen der diesjährigen World Lake Conference in Nairobi. So ist etwa gibt das Volta-Flusssystem, das von den Staaten Burkina Faso, Ghana, Mali, Togo, Benin und der Elfenbeinküste genutzt wird, Anlass zur Sorge. Innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnten wird sich die Bevölkerungszahl in dieser Region auf 40 Millionen verdoppeln. Damit wird auch der Wasserkonsum steigen. Zudem wurde beobachtet, dass in den vergangenen 30 Jahren die Niederschlagsmenge in der Region deutlich abgenommen hat.
Aus den afrikanischen Seen werden jährlich 1,4 Mio. Tonnen Fische gefangen. 14 Prozent davon allein in Ägypten. Verbauungen und Gewässerverschmutzung setzen den Fischen zu. Die Zahl der Dämme und Flussverbauungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Hinzu kommt eine steigende Menge an ungeklärten Abwässern aus Haushalten, der Landwirtschaft und der Industrie. Die Verschmutzung führte zu einem massiven Rückgang der Fischerträge, insbesondere im Nildelta, aber auch im Tschad-See.
Feuchtbiotope - sehr oft mit Flusssystemen und Seen in Verbindung gebracht - sind wichtig für den Erhalt von Ökosystemen und zur Filterung von Wasser. Wichtige Feuchtbiotope sind das Okavango-Delta und die Bassins des Lake Victoria und des Tschad-Sees sowie die Mündungsgebiete der grossen Flüsse Kongo, Sambesi und Niger. In den vergangenen 30 Jahren sind diese Regionen geschrumpft. Trauriger Rekordhalter ist der Niger: 80 Prozent der Feuchtgebiete sind in den vergangenen 20 Jahren verschwunden.
Dramatisch ist auch der Wasserrückgang im grössten See Afrikas, dem Viktoria-See. 30 Mio. Menschen leben rund um das 68.800 Quadratkilometer grosse ostafrikanische Gewässer, das die zweitgrösste Süßwasserreserve der Welt bildet. Die Bevölkerungsdichte ist mit 1.200 Einwohnern je Quadratkilometer extrem hoch. Geschätzte 150.000 Quadratkilometer Fläche fällt der Land-Degradation jährlich zum Opfer.
Der ökologische Zustand des Viktoriasees ist durch die schnell wachsende Bevölkerung gefährdet, ebenso durch den Kahlschlag der natürlichen Vegetation entlang der Uferlinie, die boomenden Fischexportindustrie, die Einführung verschiedener exotischer Pflanzen- und Tierarten, das Verschwinden von 50 Prozent der heimischen Fischarten, übermässiges Algenwachstum und das Ablassen von ungeklärtem Abwasser aus Industrie und menschlichen Siedlungen.
In der Printausgabe 8/2005 berichtet FACTUM in der Titelgeschichte über das Thema „Wasser“, denn es ist noch viel zu wenig bewusst, dass das kostbare Nass langsam aber sicher zur Mangelware wird.
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